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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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5. Kcipitel: Der Büchermarkt,

Begehren vieler resp. Zeitimgsleser bei den itzigcn bevorstehenden wich-tigen politischen Vorfällen" täglich erschien, und Beckers GothaerNa-tional-Zeitung der Deutschen" zu nennen: sie entstand aus BeckersDeutscher Zeitung für die Jugend und ihre Freunde", die seit 1788mehr für Erwachsene berechnet wurde und den neuen Titel seit demJahre 1796 führte, damit vollständig zu einer politischen Zeitung sichumgestaltend. Aber auch für die allgemeine Geschichte des deutschenZeitungswescns bildet der Ausgang des 18. Jahrhunderts eine deutlicheWendezeit. In dem letzten Jahrzehnt oder den beiden letzten Jahr-zehnten des 18. Jahrhunderts etwa setzt hier der Umschwung in dieneuzeitlichen Verhältnisse ein: die Inserate, etwa seit 1760, beginnendurch weitere Anordnung des Drucks augenfälligeres Ansehen anzu-nehmen, und ihre Zahl wächst. Zunächst allerdings beanspruchen sielange Zeit höchstens eine Spalte der letzten Seiten, indessen dringen siez. B. im Frankfurter Journal um 1775 auf die dritte Seite der vier-seitigen Nummer vor, ja beginnen im Hamburgischen Correspondentcnschon in den sechziger Jahren den redaktionellen Teil zu erdrücken, unddie Leipziger Zeitung gab als erste seit 1789 ausschließlich denInseraten vorbchaltene Beilagen heraus. Und zugleich beginnt mit demletzten Jahrzehnt des Jahrhunderts die entsprechende Wandlung in derGeschichte der Jntelligenzblätter: sie beginnen, teils erlaubter, teils un-erlaubter Weise, die Politik in ihr Programm einzubeziehen; denn dasmußte ja das Schicksal sein, das dem Jntelligenzblatt mit dem Wachstumdes Inseratenteils in den politischen Zeitungen bevorstand: sie mußtensich entweder viel mehr zu allgemeinen Blättern umbilden oder unter-gehen. Eine Jntelligenzblütterlundc vom Jahre 1802 führt 192 Blätteran,wo Jntelligenznachrichtcn angenommen werden", von denen etwaein Drittel eigentliche Jntelligenzblätter, die übrigen politische Zeitungen,Wochenblätter und Journale sind."2 Der Zahl der Blätter nach stehendabei an der Spitze Leipzig, Frankfurt a. M., Wien, Nürnberg undMünchen (je 5 Blätter), Hamburg und Gotha (je 4 Blätter), Berlin und Weimar (je 3 Blätter). Inhaltlich schließen sich im letzten Jahr-zehnt des 18. Jahrhunderts an die Bücheranzcigen, Lotterieinscrate undamtlichen Nachrichten, bei denen es in der Hauptsache während desganzen Jahrhunderts bleibt, die Familiennachrichten. Die erste Heirats-annonce, die wohl in deutschen Blättern erschienen ist, steht, mit einem