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5. Kapitel: Der Büchermarkt.
Handel gab als Erklärungsgrund für den Berkauf der Bücher im rohenZustande die Unbequemlichkeit an, die es verursache, gebundene Bücherzu verpacken.^ Das Broschieren — d. h. nicht nur der Journale,sondern der Bücher — begann aber gegen Ausgang des Jahrhundertsjedenfalls in Aufnahme zu kommen^, ^d wir finden, daß das Publi-kum sogar heftig dagegen Stellung nahm; aus zwei Gründen: erstenssei das übliche Druckpapier so schlecht, daß die Hefte rasch ruiniert seien;und zweitens und besonders könne man die Bücher vor dem Kaufe nichteinschen.^6 Gerade das letztere war es freilich, wodurch sich die Bro-schur dem Verleger empfahl: sie war ein notwendiges Kommunikations-und Schutzmittel der Ansichtssendung, und gerade deshalb begann dieVerlegerbroschur eben damals zugleich mit der Ausbreitung des Kondi-tionssystems in Aufnahme zu kommen.^ Indessen war jene Abneigungim Publikum durchaus keine allgemeine; überwiegend wurde dem deutschenVerleger das broschierende Ausland als Muster vorgehalten und darinein Gegenmittel gegen das ewige Übel der Defekte erblickt^, ebensowie der Verleger darin ein Mittel gegen den bloßen Vorwand vorhan-dener Defekte sah.^» Daß die Bücher mit Angabe der Art des Ein-bands vielfach sowohl vom Publikum beim Sortimenter oder Verleger,als vom Sortimenter beim Verleger oder Großsortimcnter gleich gebundenbestellt wurden 2" und die Buchhändler deshalb „zur Bequemlichkeit undbesonders zum Vorthcil sämmtlicher Bücherlicbhaber, vorzüglich derer inkleinen Städten und auf dem platten Lande", besondere Abkommen miteinem Buchbinder trafen^", braucht kaum besonders erwähnt zu werden.Die Ausstattung des Buches betreffend aber ist endlich noch eins zu er-wähnen: die Pflege der Buchillustration und die beginnende Umkehr zumHolzschnitt. Holländisch Papier, Baskervillesche Typen, Kupfer von Cho-dowiccki oder Bartolozzi, Vignetten von Mcil oder Geyser — so dasModebuch des Rcichschen Zeitalters. Al^er die letzten Jahrzehnte des Jahr-hunderts bereiteten auch das endliche Wiederaufleben des Holzschnitts vor;vor allem ist hier der beiden Unger in Berlin zu gedenken, Johann Georgs(1715—1788) und besonders Johann Friedrich Gottliebs (17S4—1804),des Professors der Holzschneidekunst an der Berliner Akademie der bildendenKünste. Auch das war eine beginnende Wandlung, die, wie die litte-rarische, organisatorische, technische in neue Weiten und Breiten hinauswies.