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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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6. Kapitel: Die CcnsuNicrhältnissc,

überhaupt im Kollegium ordentlicher Portrag zu halten. Im Jahre 1783(11. Februar) erging das Verbot: daß weder in Zeitungen noch Jntcl-ligenzblättcrn irgend ein Buch oder eine Druckschrift mehr angekündigtwerden dürfe. Verzweifelt focht das Ccnsurkollegium gegen alle dieseBestimmungen und nahm sich des dadurch aufs ärgste bedrohten Buch-handels in einer Vorstellung an, in der es unter andern: heißt:DerBuchhandel ist in Bayern sehr schlecht, er war es immer und wirdes immer sein; Religion, Sitten, Staatsverfaßuug verursachen, daßman bcy uns billig eine Menge Bücher verbieten muß, welche inandern Ländern, wo diese Stücke anders beschaffen sind, Villen Abgangsinden". Es erklärte, durch die Anordnung, über jedes Werk im Kol-legium ordentlichen Vortrag zu halten, müsse die Entscheidung ver-schleppt werden, sodaß diestets des Druckes begierigen Schriftsteller"ihre Werke ohne Ccnsur im Ausland drucken lassen würden. Das Wortindirekt" sei gar nicht zu definieren, weder hinsichtlich der StaatSvcr-hältnissc noch der Glaubens- und Neligionssachcn.Wir wissen waszum Glauben und Religion clireete gehört, aber auch was man durchdie Worte imlirsets oder o^msi zum Schaden der Gerechtsame der welt-lichen Macht dahin zog." Das Verbot der Anzeigen aller Bücher undDruckschristen müsse bewirken, daß mit den schlechten, wertlosen undschändlichen Büchern und Broschüren auch die guten unbekannt blieben.

Alle Vorstellungen waren vergeblich. Es blieb bei den Verord-nungen, und während Mar Joseph der Regierung ihre Selbständigkeitgegenüber der geistlichen Cmsur gewahrt hatte, forderte jetzt die Negierungdie geistlichen Behörden selbst auf, das Volk durch Hirtenbriefe vor un-christlichcn Büchern zu warnen. Daneben wurden die Mahnungen zustrengerer Censur und zu schärferer Kontrolle gegenüber der Einschwürzungschlechter Bücher immer häufiger. Die Entdeckung des Illuminatenordens ,dessen Seele der Haß gegen den Jesuitismus, der Kampf für die Herr-schaft der Vernunft, für religiöse und politische Aufklärung war erwurde, aus Bayern hervorgegangen, in den Jahren 1784 und 1785von Karl Theodor aufgehoben, gab dem Anwachsen der finsternMächte der Reaktion vielmehr neue Nahrung. Mit dem Ausbruch derFranzösischen Revolution endlich begann in Bayern eine Censurtyrannei,wie sie selbst damals kein andrer deutscher Staat gekannt hat.