Bücherrcvisio», Büchervervotc und Kataloge verbvtener Bücher in Bayern . Zgö
Unterm 12. November 1794 z. B. wurde den drei Münchener Buchhand-lungen einfach verboten, Aebesromanc zu führen: weil sie „in jedem An-betracht nichts nützen". Wo es anging, griff der Kurfürst das Übel au derWurzel an, d. h. suchte er unliebsamen Autoren — das Schreiben unmöglichzu machen. Im Jahre 1780 mußte der kurfürstliche HofkriegsratssckrctnrZaupser wegen seiner „Ode auf die Inquisition" und „Abhandlung überden falsche» Religiouscifcr" vor versammeltem Ecnsurkollegium das Glaubens-bekenntnis ablegen und empfing einen scharfen Verweis sowie das Ver-bot, in Sachen der Religion und Theologie je wieder etwas zu schreiben,da er weder Beruf noch Anlage dazu habe; an das Hof-Kriegsrats-Direk-torium aber ergiug gleichzeitig die Weisung, „Lserewrium Zaubscr mitder Kanzley-Arbeit so weit zu beschäftigen, damit ihm zu theologischen,und anderen ausschweifenden Schreibercyen keine Zeit übrig verbleibe".Und wie in die Welt der Büchcrschrciber, so griff man in die Welt derBüchcrleser ein; nicht nur die Verbreitung, sondern auch die Lektüre ver-botener Bücher wnrde mit Geldstrafen von 25 bis 100Reichsthalcrn bedroht.
Erst in den beiden letzten Regierungsjahren Mrl Theodors, 1797und 1798, sind wieder Verzeichnisse verbotener Bücher gedruckt worden.Ihr Charakter ist derselbe wie der der Verbote von 1790 bis 1793;sie erstrecken sich auf Staatswisseuschaft und deren Geschichte (z. B.Brun, „Grundriß der Staatenkunde", „Geschichte der UrverfassnngDeutschlands"), französische uud amerikanische Revolution und derenGeschichte („Fragmente aus der Geschichte Frankreichs ", Ramsay, „Ge-schichte der Amerikanischen Revolution ", „Geschichte der FranzösischenRevolution" u. s. w.), die Revolutionskricge und Kriegskunst überhaupt,besonders der Franzosen (z. B. „KricgSzucht der Franzosen", „Betrachtungüber die Kriegskunst", „Übersicht der merkwürdigsten Kriegsbegcbenheitenam Rhein "), auf alles, was auf Stärkung der Toleranz, des Bürger-sinns, des Bewußtseins der Menschcnpslichten ausgeht > z. B. Locke, „ÜberDuldung", die Komödie „Ahnenstolz und Edelsinn", Orions, Lleva-tivv, üee^äöuek vt, cuuw cle 1a m>b1s»8ö 1'rlme«"), auf Rcligions-nnd Rechtswissenschaft, -Philosophie und -gcschichtc, Psychologie ldaruntcrz. B. Bardili, „Gesetze der Jdeeunssociation", Maimon, „Magazin derErfahruugsseclentunde", >icrn, „Versuch über das Vorstelluugsvermögen",Flemming, „Analytik des Gefühl Vermögens"), Ästhetik (z. B. Michaeli,„Entwurf der Ästhetik"), Moral (z. B. Bulard, „Elementarlchrc der
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