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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Verschicbungen in der Rangordnung der deutschen Verlagsplätzc. Leipzig . 47Z

dritter Platz folgt Wien , das früher an 46. Stelle stand. An derSpitze der übrigen Städte steht nach wie vor Halle . Vor die auf Hallefolgenden übrigen Städte hat sich Frankfurt a. M. geschoben, und gleichan Frankfurt schloß sich Nürnberg an; erst dann folgen die früherngroßen Verlagsplätzc Norddeutschlands, unter die sich neue norddeutscheEmporkömmlinge und zu neuer Bedeutung gelangte süddeutsche Plätzegedrängt haben: es folgt zunächst Hamburg , nicht, wie früher, Jena;dann, eine buchhandclsgeschichtliche urds nova, Güttingen; daraus Bres-lau, das also über Jeua und Dresden emporgestiegen ist. Auf Breslau folgt jetzt zunächst Augsburg , das früher an 29. Stelle stand, und nachDresden und Jena (diese früher in umgekehrter Folge) Prag , von demfrüher noch keine Rede war. Braunschweig steht jetzt vor Hannover ;zwischen beiden aber erscheint jetzt Erlangen und unmittelbar hinterihnen eine geschlossene Reihe süddeutscher Plätze, die alle gegen früherin ihrer Bedeutung gestiegen, zum Teil ganz außerordentlich gestiegensind: Straßburg, Zürich, Tübingen, Basel, Stuttgart . In Norddeutsch-land fällt weiter die kräftige Entwicklung von Königsberg, Gotha ,Altona, Dessau, Weimar, Altenburg, Riga, Gera, Quedlinburg , inminderm Maße von Städten wie Magdeburg und Chemnitz aus; andere,wie Züllichau, Frankfurt a. O., Görlitz, Zittau, Sorau haben verloren,am allerstürksten Wittenberg, Wolfenbüttel, Bautzen. Für Süddeutschland fällt aus, mit welcher Gewalt, stellenweise einer wahren Springflut gleich,der süddeutsche Verlag cmporschwillt; es sind nur wenige Plätze, die hierzuim Gegensatz stehen, wie Marburg, Köln, Mainz .

Die Stadt Leipzig ", schreibt die süddeutsche BuchhändlerzeitungNeues Archiv" zu Ende des Jahrhunderts,hat sich im Flor des Buch-handels so festgesetzt, daß sie es schwerlich, ohne die gewaltsamste Revo-lution, welche eben so gut zum Schaden des ganzen Handels ausschlagenkönnte, je verlieren wird. Sie hat die größte und reichste Anzahl vonVerlagshändlern, welche nicht abnehmen, sondern vielmehr noch täglichsich vermehren. Diese beschäftigen eine große Menge Pressen, welcheverhültnißmäßig wohlfeiler als alle übrigen drucken, von denen aberimmer genug übrig bleiben, um selbst den am entferntesten wohnendenund durch die Eensur gedrückten Buchhändler zu reitzcn: auch seineWerke daselbst drucken zu lassen, wodurch er dann dieser ausweicht undobenhin die Transportkosten erspart".^ Die bedeutendste Leipziger Vcr-