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lagshandlung war zunächst die altehrwürdige Firma Fr. Lanckisch ErbenlMeßkatalog bis 1762; von 1740 bis dahin 607 Artikel) und ihr zu-nächst die von Carl Ludwig Jacobi (bis 1761). Dann traten beherrschenddie beiden Dioskuren Philipp Erasmus Reich und Immanuel Breitkopsauf, die nicht nur für Leipzig, sondern gleichsam für ganz Deutschland Buchhandel und Buchdruckerei ihrer Zeit verkörperten. Was Reich alsVerleger betrifft, so finden wir bei ihm, dem produktivsten Verleger inden Meßkatalogen seiner Zeit (1747—1787 1507 Artikel), eine eigent-liche Verlagsspezialisierung ebensowenig wie bei fast allen seinen Zeit-genossen; indes ist seine Verlagsthätigkeit dadurch charakterisiert, daßsie sich im allgemeinen sowohl von der besondern Pflege eigentlichschwcrwisscnschaftlicher Litteratur, wie von der Veranstaltung von Schul-ausgaben oder dergleichen sowie leichter Massenlitteratur fernhielt; seineSpezialität, wenn man so sagen will, bestand im Verlage vornehmerschonwissenschaftlich er, popularphilosophischer, historischer u. dcrgl. Litte-ratur; die Namen Wieland, Lavater , Zimmermann, Zollikofer, Meiners,Niemeyer, Johannes Müller, Spalding, Weiße, von Thümmel, Schröckh,Heyne sind bezeichnend dafür. In seinen geschäftlichen Grundsätzen sowohlwie besonders in seinen? öffentlichen Wirken ging Reich, von der Ver-änderung des Zahlungsmodus zu Beginn der sechziger Jahre angefangen^,vielfach ins Extrem. Der Geschichte ist er eben dadurch von unschätz-barem Werte als Typus der Richtung einer ganzen Zeit. Vergessenwir nicht, mit welcher Zähigkeit Leipziger Buchhandel und kurscichsischcRegierung auch nach seinem Tode z. B. an dem Übersetzungsmonopolfesthielten. Nehmen wir hier von ihm Abschied mit einer Beobachtung,die unter allen Buchhändlern seiner Zeit nur von ihm gilt und dieeinzigartige Stellung, die er in seiner Zeit einnahm, lebendig vor dieSeele führt. „Die Buchhandlung wird bei Euer Edlen eine Epogneanfangen können", heißt es in einem Buchhündlerbriefe. Ein andererbegrüßt Reich „als denjenigen, der auf der Buchhandlung sich zum be-rühmtesten gemacht hat, der davon die feinste Kenntniß besitzet, dassudlimsts davon aus dem Grunde eigen hat, dem der rest der Buch-händler durch seinen trefflichen Verlag zinsbahr ist, dessen Lob oder Tadelvon andern anerkannt wird, der andern durch sein Urtheil, durch seinAnsehen eieclit verschaffen oder nehmen kann". Nun, den ersten dieserBriefe schrieb wenigstens kein süddeutscher Buchhändler, er stammt von