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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Philipp Erasmus Reich .

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Gsellius in Celle aus den 1780er Jahren, und der zweite, geschriebenvon Bartholoms in Augsburg im Jahre 1777, als er sich etablierthatte, ist Weihrauch , den der Abhängige vor dem Throne des Herrschersemporsteigen läßt. Dennoch ist gerade das bemerkenswert, daß man beialler grundsätzlichen Feindschaft weithin die persönliche Wucht und Be-deutung des Mannes, der dem Buchhändler in der fernen Provinz gleich-sam mit Krone und Szepter zu spielen schien, anerkannte und sich derHöhe, die in ihm der deutsche Buchhändler erstiegen hatte, mit einemStolze, der das Herz höher schlagen ließ, bewußt ward. Man wirdan Goethes Äußerung erinnert: man sei selbst unter den Prcußenfeindcndes Reiches weithinFritzisch" gesinnt gewesen. Schwan in Mannheim taufte sein Töchterchcn nach Reichs Namen (Philippinen Als Bahrdt inseiner Hildesheimer Zeit den Namen Kriegers in Gießen fälschlich unterseinen Kollckteurs aufgeführt hatte, wendet sich die Handlung an Reich:Nur von Ihnen können wir erwarten, daß Sie dermahlen besondersdas höchst nöthige dazu beytragen werde», unsern t^i-kdit bey der Hand-lung zu erhalten." Reich war es, an den sich der junge Cotta wandte,als er seine große Laufbahn begann, um sich von ihm über die Grund-sätze belehren zu lassen, nach denen er sein Geschäft führen solle. DerVerfasser der Schrift:Meine Reisen zu Fuß" (Frankfurt u. Leipzig ,1789) beleuchtet mit bittcrm Hohu und Spott teils die Erfolglosigkeit,teils die Verschärfung der Gegensätze, wovon Reichs sächsische Buchhandcls-politik begleitet worden sei; ihn persönlich nennt sie einenMann vonHerz und Kopf".» Der Buchhändler Wilhelm Fleischer in Frankfurt a. M.nennt im Jahre 1791 als die beidengrößten und edelsten Buchhändleraller Zeiten" Robert Stcphanus und Philipp Erasmus Reich :SeineVerdienste bedürfen keiner Zergliederung: sie sind überall erkannt undgeschätzt worden." ^ Ja selbst wenn einen: Rcichöbuchhändter das Miß-geschick widerfuhr, daß ihn? die Frau aus dem Hause lief, war es Reich,den er darum anging, seinen Einfluß zu Gunsten des gestörten ehelichenVerhältnisses geltend zu machen. Für dieFritzischc" Gesinnung be-sonders bezeichnend ist ein Aufsatz imNeuen Archiv" (1795), dasin Leipzig das große Babel, im Leipziger Nettohändlcr den leibhaftigenGott -sei-bei-uns sah. Er führt uns einen jungen Menschen des unter-drückten Süddeutschlands vor, der gleichsam ein Messias des Neichs-buchhcmdcls werden will. Was Reich nicht nurfür Leipzig ", sondern