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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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8. Kapitel: Das biblivpolische Deutschland ,

für den ganzen Buchhandel" war, will er für Süddeutschland werden,Er hatte von diesem außerordentlichen Manne so vieles geHort, daß ernie ohne eine Art Enthusiasmus von ihm reden konnte."'"' Franke inBerlin ist vom wütendsten Hasse gegen die Nettohändlcr erfüllt und ver-flucht deu Kundenrabatt, und dessen Ursprung leitet er von Reich her.Wie er aber ihn selbst erwähnt, mäßigt er den Ton und bemerkt (1802):Hätte es der sehr geschätzte Reich damals geahndet, welches Übel erdadurch dem ganzen Handel zuzöge, ich glaube sicher er hätte es unter-lassen." Auch an anderer Stelle spricht er von ihm nur als demsehrgeachteten".6 Immanuel Brcittopf stellte neben Deutschlands von Reichgeleitete berühmteste Buchhandlung die berühmteste Buchdruckerei Deutsch-lands, und seine Offizin war trotz der heiligen Propaganda zu Rom diegrößte und vollständigste der Welt. Die Schriftgießerei goß zu Endeseiner Lebenszeit in 12 Gicßöfcn mit einigen 40 Leuten über 400Alphabete aus allen Sprachen; ihre Lettern gingen nach allen deutschenLändern und darüber hinaus, besonders nach dem Norden und Ostenund nach Amerika . Im Jahre 1784 lieferte sie jährlich 300, zuEnde des Jahrhunderts 350400 Centner neuer Schriften. DieBuchdruckern, die für so zahlreiche auswärtige Handlungen und z. B.für Serbien und die Akademien und Schulen in Moskau und Kiew gedruckt hat, arbeitete zu Ende des Jahrhunderts mit 20, die Noten-druckerei mit 4 Pressen, in beiden zusammen waren 6080 Personenbeschäftigt, der jährliche Papicrverbrauch betrug über 1200 Ballen. Zuder Druckerei und der Schriftgießerei kam der Buch- und Mnsikalien-handel; eine Zeit lang unterhielt Breitkopf noch eine Spielkarten- undeine Tapetenfabrik, die er freilich beide mit Verlust aufgeben mußte;gegen 130 Leute im ganzen waren durchschnittlich unter ihm beschäftigt.Inmitten dieses für die damalige Welt staunenswerten Triebwerks standBreitkopf, seine Kataloge, Zeitschriften, schriftstellerischen und technischenArbeiten, privaten Sammlungen planend, versuchend, ausgestaltend.

Zwei Worte nur über das fernere Schicksal einiger der großenalten Firmen/ Der Besitz der Thomas Fritschischen Handlung gingnach des Vaters Tode auf den einzigen Sohn, den spätern kursächsischenMinister Thomas Freiherrn von Fritsch über; sie wurde geleitet vondem damaligen Inhaber der I. F. Glcditsch'schen Handlung, FriedrichLudwig Glcditsch, an den sie Thomas von Fritsch dann im Jahre 1741