Georg Jakvb Decker. Eifersucht zwischen Leipzig und Berlin . 483
als die Hauptplätze schleuderhafter Konkurrenz: das beides bezeichnetschlagend die buchhändlerische Stellung, die Berlin jetzt einnahm. InSchriften aus der Wende der 1770er Jahre 2" macht sich der preußischeHaß auf Leipzig , die Entrüstung über die preußischen Buchhändler, dienichts seien, als „getreue Rechnungsführer der Leipziger ", in maßlosausfälliger Weise Luft. Nimmt man auch nur zwanzig solcher Buch-händler in Preußen an, die nichts thnn, als „im Namen der Leipziger Buchhändler verlaufen zu lassen" und jährlich 2000 Thaler verdienen,so macht das bei 33^/z"/g eine Summe von 80000 Thalern, die jähr-lich aus den Preußischen Staaten nach Leipzig fließt. Nun war aller-dings die Behauptung, die in solchen Schriften auftaucht: der Branden-burgische Verlag verhalte sich zum Leipziger wie 1 zu 10, maßlos über-trieben; in den Meßkatalogen der Jahre 1765 —1805 steht ja alleinBerlin den Leipziger 22225 Verlagsartikeln mit 9692 Artikeln gegen-über. Eine um so größere Abhängigkeit aber bestand auf dem Gebietedes Druck- und Papicrgewerbes. Die Verleger in Berlin , Halle u. s. w.ließen gern und viel in und um Leipzig drucken, um au den Transport-kosten zu sparen; es kam hinzu, daß Leipzig durch säubern und korrektenDruck bekannt war, die preußische Papierfabrikation dem inländischenBedarf nicht genügte und die Leipziger Papierpreise pro Ballen um 12 bis16 Groscheu billiger waren als die Berliner; ebenso waren in Folgeder reichlichen Aufträge die Druckerlöhne niedriger. Die Berliner Druckerselbst sind (z. B. in den Jahren 1797 und 1798) deshalb vorstelliggeworden.'^ Auch in Halle waren die Materialien billiger, aber wirerinnern uns ja, daß hier die Censurverhältnisse im ganzen wenig an-ziehend waren. Die verzweifeltsten Vorschläge wurdeu gemacht, um Leipzig den Rang abzulaufen: Einrichtung preußischer Büchermessen; Aufhebungder Präventivccnsur; „nicht bloß die Buchhändler allein, sondern jedermann, kann Bücher kaufen, verkaufen, umtauschen"; Papier darf vonpreußischen Unterthancn nur aus preußischen Papiermühlen bezogen wer-den; Begründung eines Contors der Schriftsteller für gemeinschaftlichenSelbstverlag am preußischen Meßplatz; Nachdruck in süddeutschem Stile.Nun, in der That war Berlin Leipzig nahe genug gerückt. Mit welcherFreude begrüßte nicht 1780 die sächsische Kommerzdeputation im Inter-esse des sächsischen Buchhandels: „welchem Berlin mit der Zeit Hütte ge-fährlich werden können", das preußische Verbot der Einfuhr ausländischen
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