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Papiers, wodurch, da die inländische Produktion dem Bedarf nicht genügeund Preußen zum Druck in Sachsen genothigt werde, Leipzig „vielleichtvor Berlin einen Borzug" behalten und „vielleicht sogar einen neuenZuwachs" erhalten werdeMit welcher Genugthuung stellt anderer-seits Nicolai im Jahre 1790 die Eifersucht der Sachsen darüber fest:„daß durch hiesige sBerliner^ Industrie der Buchhandel in Leipzig sosehr abnimmt, und dagegen in Berlin so merklich zugenommen hat"!22Und um viel mehr handelte es sich dabei als bloß um die Steigerungder Verlagsproduktion. Berlin erwuchs im Friedericianischen Zeitalterzu einem norddeutschen Kommissionsplatze. „Berlin ", schreibt Friedr.Vieweg im Jahre 1794 an den König, „ist neben Leipzig ein Stapelplatzdes Buchhandels geworden. Die vielen guten und nützlichen Schriften,welche von hiesigen Buchhändlern verlegt werden, sowie mehrere sehr all-gemein gelesene Zeitschriften, nöthigtcn die ausländischen Buchhändler ihreVerschreibungen von hier aus zu inachen, und die in Österreich , in Ober-und Niedersachsen und dem Reich gedruckten Bücher hierher zu acki'S88iren.So ward Berlin außer den Messen, der Stapelplatz des deutschen Buch-handels." Was Vieweg persönlich betrifft, so wurzelte sein Kommissions-geschäft besonders in den Ostsceprovinzen. Sein bedeutendster Kommittentdort war Hartknoch in Riga , für den allein er, Transits und Fuhrfrachtenungerechnet, monatlich 40 bis 50 Rthlr. Postporto zahlte. „Alle in Deutsch-land gedruckten und für seine Handlung bestimmten Bücher gehen theilsdurch die Posten, theils durch Fuhren hierher an mich und werden aufbeide Arten wieder an ihn versendet." Vieweg bemerkt zugleich, daßHartknoch und andere seiner dortigen „Correspondcnten" ihren Verlaggrößtentheils in Berlin drucken ließen.^ War das nicht schon der ersteSchritt zu Auslieferungslagern? In der That: m einem Journal ausjenen Jahren wurde Wunsch und Bedürfnis zur Sprache gebracht, daßangesehene auswärtige Handlungen in Berlin Vcrlagsniederlagen errich-teten; ja Berlin begann sogar, wie aus der Nürnberger Schlußnahmehervorgeht, Ansprüche auf Frachtfreiheit zu erheben.
In Halle finden wir vor allem die alten großen Handlungen Hem-merde, Waisenhausbuchhandlung, Rengcrsche Buchhandlung und Gebauer.Der Nachfolger von Karl Hermann Hemmerde, dem in dieser Stellungfreilich nicht sonderlich rühmenswerten Verleger Klopstocks, war KarlAugust Schwetschke (Mitbesitzer seit 1788; Firma: Hemmerde und