Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
485
Einzelbild herunterladen
 

Berlin als Kommissionsplatz. Hallische Verleger. Korn in Breslau . 485

Schwetschke), unter dein sich die Verlagsproduktion sofort wesentlich er-höhte. Die große Zeit des gelehrten Verlags der Waisenhausbuchhand-lung reichte bis gegen die Zeit des Siebenjährigen Kriegs; in der folgendenZeit ruhte Erfolg und Ansehen der Handlung mehr und mehr auf seinenSchulausgaben griechischer und römischer Klassiker, der ältesten Ausgabenihrer Art; Erncstis Cicerotcxte begründeten ihr Ansehen. Der Glanzpunktdes Verlags waren F. A. Wolffs Odyssee (1784) und Ilms (1785).Unter die Leitung eines buchhändlerischen Fachmanns (K. F. Conradi)ist dabei die Handlung erst im Jahre 1781 gelangt. Die Bibelanstaltstand jetzt nicht mehr so einzig da wie früher; seit den siebziger Jahrenbegann eine lebhafte Konkurrenz der Bibcldruckercien in Halbcrstadt, Nürn-berg, Tübingen, Basel und andern Orten. Aber sie war viel zu festgewurzelt, um ihre Bedeutung einbüßen zu können; weit über ganzDeutschland ausgreifend, hatte sie Niederlagen z. B. in Berlin, Braun-schweig, Leipzig, Magdeburg, Bremen, Breslau, Frankfurt a. M., Nürn-berg . Mit sechs Pressen druckend, hat sie bis zum Ende des Jahrhundertsüber 1700000 Bibeln und über 900000 Neue Testamente hergestellt.Das Andenken Johann Justinus Gebauers (gest. 1772) als Unternehmersist vor allem mit der Walchschen Ausgabe der sämtlichen Werke Luthers (24 Bände, 17401753) und dem Riesenwerke der zuerst von Baum-gartcn, dann (seit 1757) von Semler herausgegebenen AllgemeinenWelthistorie in 66 Bänden und 6 Supplementen (1742 ff.) verknüpft.Aus den beiden Buchhandlungen von Hemmcrde Schwetschke undGebauer ist die heutige Firma Gebauer-Schwetschke hervorgegangen.Der ebenfalls ansehnliche Verlag Joh. Andr. Bauer reicht nur biszum Ende der fünfziger Jahre. Von den später auftretenden war diebedeutendste die Ruffsche Verlagsbuchhandlung, ihr zunächst F. C. Dreißigund I. G. Heller.

Die Stadt Breslau war das stärkste buchhändlerische Fort im OstenDeutschlands ; das ehrwürdige Geschlecht der Korn^ kann uns zeigen,in welcher Weise der deutsche Buchhändler hier thätig war. Währenddes ersten Schleichen Krieges wirkte Johann Jacob Korn in einer vomBuchhandel in solchen Zeiten immer gern geübten Weise für Friedrichden Großen durch Veröffentlichung der preußischen Bekanntmachungenund kriegerischen Erfolge; die Frucht war das Privileg auf die SchlesischeZeitung. Einen Grundstock höherer und niederer Gebrauchslitteratur,