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besonders das „Evangelische Gesangbuch für die Königlich Preußisch-Schlesischen Lande", das 1742 auf Korns unmittelbare Veranlassungund unter seiner persönlichen Mitwirkung entstand und bis zur Gegen-wart in fast unveränderter Gestalt über 60 Auflagen erlebt hat, bildetedie Grundlage des besonders juristischen und theologischen Verlags. SchonJohann Jacob, begünstigt von der freiem Bewegung, die mit dem Auf-hören der scharfen Censur der katholischen Geistlichkeit für den schleichenBuchhandel anhob, bahnte den Weg nach Petersburg , den russischenProvinzen, der Ukraine , der Moldau und Walachei. Sein Sohn Wil-helm Gottlieb Korn d. Ä., der das väterliche Geschäft 1762 übernahm,es 1790 seinem gleichnamigen Sohne übergab und 1806 verstarb,studierte vor seiner Geschäftsübcrnahme in einem mehrjährigen Aufent-halte in Warschau Sprache, Bedürfnisse und Zustände Polens undleitete den Strom der polnischen Produktion, voran den der damaligenpolnischen Klassiker, in das Bett seines Verlags; sein Sohn, der schonvor dem Jahre 1790 in das Geschäft eingriff, unterhielt in Polen diefruchtbarsten Beziehungen; die polnischen Magnaten bezogen Biblio-theken bis zum Werte von 30000 Thaler; die an sich schon lohnendenVerbindungen mit der königlichen Bibliothek zu Warschau und der Uni-versitätsbibliothek Wilna brachten noch die Vergünstigung eensurfreierBüchereiufuhr nach Polen. In Warschau , Lemberg, Posen erwuchsenZweigniederlassungen. Der polnische Verlag, der u. a. die großen polnisch-deutschen und polnisch-französischen Wörterbücher zeitigte, war iin Jahre1790 auf 250 Artikel angewachsen. Wilhelm Gottlieb Korn d. I.legte einen neuen festen Grund mit den zahlreichen Werken des deutschenPopularphilosophen Christian Garve — eines der deutschen Autoren,deren Andenken der Verleger in einem in seinen Parkanlagen errichtetenDenkmal bewahrte. Zu den polnischen Beziehungen fügte Korn fran-zösische; Voltaires Werke verlegte er in mehreren Auflagen und be-gründete eines der vorzüglichsten französischen Sortimente. Im Jahre1793 errichtete ^er eine eigene Druckerei. Als bedeutendster Verlagneben dem Kornschen tritt in den Meßkatalogen von 1795 an der vonGehr K Comp. auf. Die von Scharfenberg im Jahre 1553 gegründeteStadtbuchdruckerci und Verlagshandlung übernahm sim Jahre 1797 Joh.August Barth und legte die erste Notendruckerei und Schriftgießerei inSchlesien an.