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In Königsberg''", dcm vierten Buchhandclsplatz Preußens , der freilicherst in weitem Abstände auf Breslau folgt, überflügelte Johann HeinrichHärtung, der seit 1734 hier eine Druckerei und seit 1746 die vormalsEckartsche Buchhandlung besaß, schon um die Mitte des Jahrhunderts imUmfang der Verlagsproduktion die übrigen Königsberger Buchdrucker,während die Geschäfte der beiden gleichzeitig mit ihm privilegierten Buch-händler nach kurzer Zeit kümmerlichen Bestehens untergingen. Zu seineneinträglichsten Artikeln gehörten einige Werke, die er aus fremdem Ver-lage übernahm: das Rogallsche Gesangbuch, das, 1730 erschienen, inner-halb der ersten 18 Jahre in 80000 Exemplaren abgesetzt wurde, unddas Jablonskischc Allgemeine Lexikon der Künste uud Wissenschaften. ImJahre 1751 erweiterte sich das Geschäft durch den Ankauf der Neußner-schen T ruckerei samt dein Privileg der „Königsbergischcn Zeitung."Härtung starb 1756, und zehn Jahre darauf übernahm das GeschäftGottlieb Lcbrccht Härtung. In den nun folgenden Jahrzehnten schienes, als sollte die Handlung, die einzige reguläre Buchhandlung Königs-bergs, dauernd verdunkelt werden von einer zweiten, die Joh. Jak. Kanter,der Sohn eines Königsbcrger Buchbinders und Buchdruckereibcsitzers,1763 gründete, indem er für die buchhändlerische Seite des ansehnlichenväterlichen Geschäfts ein Buchhändlcrprivilegium erwarb, der Mann, dereinen Herder vom Buchhändler zum Theologen, und einen Hartknochvom Theologen zum Buchhändler machte. Mit dem Buchhandelsprivilegerwarb er das Privileg zum Druck einer Zeitung: „ Königsbcrgischegelehrte und politische Zeitungen". In Elbing hielt er eine Niederlage,in Mitau gründete er schon 1763 als erste dortige Buchhandlung eineFiliale, die sein Diener Johann Friedrich Hartknoch für ihn verwaltete,dann übernahm und 1767 nach Riga verlegte, wo nur eine in völligemVerfall befindliche Buchhandlung und Druckerei bestand. Schon im^cchre 1763 war er wegen der „angcrllhmtcn Geschicklichkeit" bei Heraus-gabc der Kammergerichtsordnung zum Buchhändler der Akademie derWissenschaften iu Berlin ernannt worden. Den Titel „Lommcrcien-rath" freilich schlug ihn der alte Fritz ab, indem er das Gesuch mitder denkwürdige» Randbemerkung versah: „Buchhändler das ist ein honcterTitul!" Indessen konnte sich Kanter kurz darauf des Titels eines „König-lichen Lotterie-Direktors" erfreuen. 1772 erhielt er das Privileg zurAnlegung einer Hofbuchdruckerei in Neu-Preußcn, der spüteru sogeucmnten