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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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^. Kapitel: Das bibliopolische Deutschland .

Westpreußischcn Hofbuchdruckerei in Marienwcrdcr. Im Jahre daraufkaufte er Gut und Papiermühle zu Trutenau bei Königsberg und führtehier zur Freude des Königs, der ihn dabei mit 12000 Thalern unter-stützte, auch die Fabrilatiou von Preßspänen nach englischem Muster,sowie eine Schriftgießerei ein. Eins aber verstand Kanter nicht.- seinVerlagsgcschäft in langsamen, tiefen und gesunden Zügen atmen zulassen. Leute wie Hamann und Herder waren nach ihm Autoren, dieaußer der Sphäre des Publikums schrieben, Autoren,an denen ein ehr-licher Verleger zum Schelm würde"; von Kant, der doch sein langjährigerHausgenosse war, und dessen Bedeutung er selbst zeitig erkannte, denner ließ schon 1768 sein Bildnis malen und in seinem Contor anbringen ein deutscher Buchhändler hat uns so das einzige Bildnis Kants ge-schenkt, das wir von ihm aus jüngern Jahren besitzen, hat er nichtein einziges bedeutendes Werk verlegt. Dazu kam Zersplitterung derKräfte und eine Lebensführung über die Kräfte. Alle seine Unter-nehmungen gingen zurück, ja verschuldeten; im Jahre 1781 verkaufte erBuchhandlung und Zeitung; sechs Jahre darauf schon, ein Jahr nachKanters Tode, geriet die Handlung in Konkurs. Die Hofbuchdruckereiin Marienwerder ist noch heute im Besitze der Nachkommen; die Buch-handlung erwarb im Jahre 1787 Gottlieb Lebrccht Hartuug, dessenGeschäft, wie ehemals das Eckartschc, damit wieder für einige Jahre dieeinzige Buchhandlung in Königsberg war, und das sich inzwischen eben-sosehr gehoben hatte, wie das Kantcrsche herabgegangen war. Aber auchdas Hartungsche Geschäft war nicht von Bestand. Hat er sich im Verlagübernommen? Er war der produktivste der bisherigen Königsberger Ver-leger. Hat er in der Lebensführung seine Mittel überschritten? Ermachte ein opulentes Haus und lebte auf großem Fuße. Als er, erst 50Jahre alt, im Jahre 1797 verstarb, mußte die Wittwc froh sein, demSohne Druckerei und Zcitungsverlag retten zu können. Die Buchhand-lung wurde an Göbbels Unzer verkauft. Der bedeutendste Verleger aberwurde nun Friedrich Nicolovius , der Königsberger Hofratssohn, der 1787vom Studium der Philosophie her als Lehrling bei Hartknoch , dem ehe-maligen Studenten der Theologie, in Riga eintrat und 1790 in Königs-berg seine Buchhandlung eröffnete (heute Wilhelm Koch).

Nächst den ersten Buchhändlern in Berlin, Halle und Breslau zeigen diestärkste Verlagsproduktion in Preußen der alte Verlag von Franz Groß