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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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8. Kapitel: Das bibliopolische Deutschland .

Süddeutschland, Wien für Österreich, München für Bayern, Augsburg für die katholische Speziallitteratur, weiter Straßburg für das Elsaßoder Zürich für die Schweiz war, und mit denen schließlich, in immerkleinerm Maßstabe, ganz Deutschland durchsetzt war; überall bildete jader größere Buchhandelsplatz den Markt-, Bezugs- und Speditionsplatzseiner Umgebung. Indes waren zu reinen Speditionszweckcn auch dienorddeutschen Firmen mit Frankfurter Buchhändlern in ausgedehntemMaße verbunden; Anzeigen, daß die betreffende Neu-Erscheinung kianeaLeipzig und Frankfurt geliefert werde, sind häufig. In der Gcsamt-organisation hatte darin nach Frankfurt Nürnberg die größte Be-deutung. Daß die Nürnberger Buchhandelssphärc ki anec» Leipzig, Nürn-berg, Frankfurt lieferte^, ist erklärlich; aber umgekehrt lieferte auchFrankfurt tranco Leipzig und Nürnberg.^ An Wien sehen wir deutlich,wie nahe dieses Kommissionswcsen noch vielfach jenen alten Zuständenwar, in denen der Auswärtige sich des Einheimischen bediente, um gleich-sam die Verkaufszeit über die freie Marktzcit hinaus auszudehnen. VomBücher-Markthandel war ja Deutschland damals noch ganz erfüllt. Zuden Wiener Märkten richteten die Wiener Buchhändler selbst ihreMarkt-bude" zu (man brauchte etwa eine Woche dazu), und von auswärtsvon so fernen Orten wie z. B. den schwäbischen Städten oder Straß-burg kamen die Besucher; sie hatten ihre Wiener Kommissionäre,die die Magazine mit den auf dem Markte nicht abgesetzten Waren ver-walteten, daraus auslieferten, sie aber nicht außer der Marktzeit an-kündigen und sie auch zur Marktzeit nur verkaufe» dursten, wenn derKommittent oder sein Vertreter nicht zur Messe kam; wegen Verstößenin den letztern beiden Hinsichten sind die Wiener Buchhändler, ganz wiewir das in alten Zeiten z. B. in Leipzig kennen gelernt haben, häufigklagbar geworden. Auf den Wiener Messen wurde auch abgerechnetund saldiert (teils bar, teils in Büchern). Die Mllnchcncr Buch-händler schildern in der Dezembervorstellung vom Jahre 179l (s. obenS. 367 fg.) den geschäftsunkundigen Behörden ihren vomTransit»"wohl zu unterscheidenden und besonders für den Berkehr zwischen denNeichslanden und den k. k. Erblanden wichtigenoffenen Spcditions-handel", der bisweilen den wichtigsten Teil des Münchcner Buchhandelsausmache, folgendermaßen.-Wir empfangen nämlich unter unsrerAdresse von den fremden Verlagshandlungen ganze Partien Bücher, wo-