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die Stadtbuchdruckerei, der 1802 neben einer Schriftgießerei ein „fSorti-ments-Duchhandel in realer Eigenschaft" verliehen wurde; 1804 kamdazu die konzessionierte Buchhandlung des Buchbinders Joseph Ehren-berger. Die Meßkataloge selbst verzeichnen im übrigen irgend bedeutendeHandlungen nur für Graz, Preßburg und Brünn .
„In Frankfurt ", heißt es 1785 in Wielands Teutschem Merkur,„ist bekanntlich nach Leipzig noch immer der größte Buchhandel".^ Mitder Frankfurter Büchermcsse war es freilich ein für allemal vorbei;„die Frankfurter Buchhändlermesse bedeutet gar nichts", sagt Nicolai1790, wenigstens nichts anderes als einen Büchermarkt, der von zehn biszwölf klcinern Buchhändlern der nächsten Nachbarschaft besucht wird^;wir haben Zeugnisse dafür in andcrm Zusammenhange kennen gelernt.^Der aus der Zeit der europäischen Herrschaft der Frankfurter Bücher-mcsse sich herschrcibcnde Umstand, daß die Stadt der Sitz der KaiserlichenBlicherkommission war, bedeutete für den Frankfurter Buchhandel in derzweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nichts als die Veranlassung zu nieendenden Kämpfen gegen die Leistung der Pflichtexemplare. Wohl aberwar Frankfurt , von seinein blühenden Lokalbuchhandel abgesehen, der wich-tigste Kommissions- und Großsortimentsplatz Süddeutschlands . Kleineresüddeutsche Firmen verkehrten fast gar nicht über Leipzig , sondern warennur an Frankfurt angeschlossen und hatten hier ihren Kommissionär, dersie auch mit den norddeutschen Artikeln versorgte; Handlungen in nächsterNähe ließen ihre Bestellungen — z. B. zweimal wöchentlich — von dortabholen, aber auch kleinere Handlungen in weiterer Entfernung verkehrtenfast nur mit süddeutschen Handlungen und bezogen die norddeutschen Artikelvon ihrem Frankfurter Kommissionär.^ Freilich nahm diese Bedeutungdes Frankfurter Platzes verhältnismäßig rasch mit der Zunahme der Ent-fernung ab. Frankfurt barg ja nicht mehr auswärtige Niederlagen undKommissionslager aus ganz Deutschland in sich; es gehört zu den Ausnahme-fällen, daß die Hallesche Waisenhausbuchhandlung ^ bis zum Jahre 1787einen direkten und stehenden Vertreter in Frankfurt hatte und seine Nieder-lage auch dann noch bis zum Jahre 1810 von einer Frankfurter Firma(I. C. Hermann) vertreten ließ. Frankfurt war Meß- und Kommissions-platz als besonderer, für den deutschen Gesamtbuchhandel integrierenderBestandteil weder im alten noch im neuen Sinne, sondern einer der
Großsortiments- und Speditionsplätze, wie es Nürnberg für das mittlere
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