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Jahrhunderts begründete er eine eigene Schriftgießerei, erwarb AlbertisBuchdruckerei und wurde nun von hervorragender Bedeutung in derGeschichte der Wiener Typographie. Im Jahre 1801 erhielt er dieErlaubnis, 50 Centner deutscher Lettern von Breitkopf gegen Entrichtungdes halben Zolles einführen zu dürfen, da er nur 88 Centner durchzehnjährigen Gebrauch abgenutzte Lettern besitze, für seine 16 Pressenaber 400 Centner bedürfe; Mcmsfelds uud seine eigene Schriftgießereikönnten sie nicht liefern, da ihre Leute immer zu geheimen Staatsarbeitcnverwendet würden, dazu sei Mangel an Arbeitern; Trattncrsche Schriftenaber könne er, da sie bekanntermaßen schlecht wären, nicht brauchen.Und bald begann Degen jene prachtvollen Drucke, die heute noch be-wundert werden (1803: Catull, Ovid ).
Kaum bemcrklich macht sich in den Meßkatalogcn der KunsthnndclWiens . Hier ist an erster Stelle die Firma Artaria Comp, zunennen, die 1770 als Kunsthandlung gegründet, bald auf den Handelmit Karten und Musikalien ausgedehnt und dann von des GründersSohne Dominik Artaria (geb. 1775) übernommen wurde, ferner ChristophTorricella, Lucas Hohenleitter <d Comp. (Mcßkatalog 1789/92) und Joh.Frister, die zusammen mit Artaria gegen Ausgang des Jahrhundertsals die vornehmsten Kunsthandlungen Wiens galten.
Nicolai berichtet zn Beginn der 1780er Jahre von seiner süd-deutschen Reise, daß es in Österreich außer Wieu Buchhandlungen nurin Linz, Graz und Klagenfurt gebe; in Böhmen befänden sich Buch-handlungen nur in Prag, in Mühren nur in Brüun, in Ungarn inPest und Preßburg, in Siebenbürgen nur in Hcrinannstadt; sämtlicheBuchhandlungen außerhalb Wiens seien „nicht sehr beträchtlich". Nun,für Prag verzeichnen die Mcßkatalogc jedenfalls eine stattliche Reihe vonVerlegern, und darunter befinden sich seit den siebziger Jahren solchemit kräftigem Verlag: aus älterer Zeit Wolfgang Gerle und JohannFerdinand Edler von Schönfeld, der seit 1776 eine Buchdruckerei auchin Wien besaß, Widtmann, die 1786 von Johann Gotthold Calve ge-gründete heutige I. G. Calveschc Ä. und K. Hof- und Univcrsitäts-buchhandlung, Barth. In Salzburg bestand die alte und bedeutendeMayrschc Buchhandlung (Meßkatalog erst wieder seit 1779), die 1802eine reale Buchdruckcrsgercchtsame erhielt, daneben die Buchdruckcreiund Buchhandlung von Franz Xaver Duyle (jetzt Eduard Höllrigl) und