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das Druck und Verlag der jüdischen Litteratur in Österreich beherrschteund seinen Geschäftsbereich weit nach Deutschland, Rußland und demOrient ausdehnte, zu unvergleichlicher Blüte.
War es richtig, was wiederholt in der Streitschriftcnlittcratur desReichschen Zeitalters und auch z. B. von Nicolai ausgesprochrn wurde,daß auf dein gewerbsmäßigen Nachdruck kein dauernder Segen ruhe?Die Geschichte des Geschäfts Trattners des Großen spricht dafür. Alser im Jahre 1798 starb, in einer Zeit veränderter Censur- und Preß-verhältnisse und einer Zeit, in der der Raubbau des Nachdrucks einereinzelnen Firma keinen so glänzenden Erfolg mehr bot, stand mehr alsein Drittel der Pressen still und Papier - und Buchhandel waren zurück-gegangen; der allgemeine Einfluß der kriegerischen Zeit und die starkeZunahme der Offizinen kam hinzu. Wien hatte im Jahre 1791 28 Buch-druckereien; von den 78 Pressen der sechs größten Druckereien warennur 31 beschäftigt, die kleinem Druckereien hatten zum Teil gar keineArbeit. Aber während ein solide gegründetes Unternehmen solche Zeitenübersteht und neuem Aufschwünge entgegengeht, ist das Trattncrschc unter-gegangen; es fiel zunächst an Trattncrs gleichnamigen Enkel, dann (1807)an Georg Übcrreuter und hat keine Nolle mehr gespielt. Neue zukunfts-reiche Firmen strebten empor: Joseph Gerold, der 1775 die Uni-versitätsbuchdruckcrei und Verlagshandlung des k. k. Neichshofrats LeopoldKaliwoda kaufte und 1776 zum kaiserlichen Neichs-Hof-Buchdrucker er-nannt wurde, und dem Carl Gerold folgte, dereinst einer der thätigstenVerbündeten der norddeutschen Bckämpfer des Nachdrucks (heute CarlGerolds Sohn und Gerold cv5 Comp.), Alois und Anton Doll, Schaum-burg <K Comp., ^J. A. Hofmeister, Buch- und Musikalienhändler undBuchdrucker, weiter Albert Cmnesina & Comp. (Mcßkatalog 1795/1821)u. a. Zu deu Wiener Buchhändlern und Buchdruckern von besonder»?Rufe gehörte in den achtziger Jahren der 1794 verstorbene Jgnaz Alberti.Im Jahre 1789 (Privileg 1790) übernahm, nachdem er in Graz Humaniora und Philosophie studiert und in Wien das juridische Studiumabsolviert hatte, die Paul Kraußsche Buchhandlung der 1761 in Graz als Sohn eines behäbigen Tischlermeisters geborene Josef Vinccnz Degen,später Ritter von Elsenau. Er verschaffte ihr rasch einen Ruf überWien hinaus; besonders für französische Litteratnr gehörte sie zu denbedeutendsten in ganz Deutschland . In den ersten Jahren des neuen
Geschichte des Deutschen Buchhandels. III. 32