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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Kapitel: Das bibliopolische Deutschland .

damals diejenigen von Trattncr, Joseph Loren; Edler von Kurzböck,Joh. Paul Krauß,besonders aber" (so sagt Nicolai) Rudolph Gräffcr,Joh. Georg Weingand (oder Weigand) und Christian Friedrich Wapplcr,der 1792 als Borsteher der Wiener Buchhändler genannt wird. DeinWiener Buchgewerbe war eine besonders feste Verbindung mit dein Buch-druck und eine besondere Bedeutung gerade der beide Zweige vereinigendenHandlungen eigen; alle die eben genannten Handlungen, nur mit Aus-nahme von Krauß, waren zugleich Buchdrnckcrcien. In den Mcßkata-logen traten von den großen Verlegern zuerst Krauß (1734) und Trattncr(1753) auf, dann Rudolph Gräffcr (1769), Joseph Kurzböck (1772),Chr. Fr. Wappler (1782) und Sebastian Hartl (1784). In der Ver-lagsproduktion übertreffen in den Mcßkatalogen Kurzböck (1772/94571 Artikel) und sogar Trattner (obgleich seine Titel von 1769 abüberhaupt nicht mehr aufgenommen wurden; 1753/57: 53, 1760/68:231, 1778: 4 Artikel) bei weitem alle übrigen Wiener Verleger. Beidewaren mit van Ghelen, Kaliwoda und den dann seit Beginn der achtzigerJahre aufstrebenden Matth. Andr. Schmidt und Baumeister auch dievornehmsten Typographen Wiens ." Es waren reiche, wohlbegüterte Leute,die in der Stadt ihre Häuser und Gärten, vor der Stadt ihre Herr-schaften besaßen; vornehme Weltlcute, deren Häuser zugleich nicht nureinen behäbigen Komfort zeigten, sondern auch eine besonders künstlerischangeregte Geselligkeit Pflegten; für Trattners zweite Gemahlin, die Tochterdes Hofmathematikers Josef Anton von Nagel, komponierte Mozart diePhantasie und Sonate L-inoU. Kurzböck übernahm im Jahre 1755das väterliche Geschäft mit 2 Pressen und beschäftigte schon nach kurzerZeit deren 15, gründete 1775 im Auftrage des Hofes die privilegierteillyrisch-orientalische Hofbuchdruckerei, wurde 1786 auf Stcmpelschneidereiund Schriftgießerei privilegiert und errichtete 1789 auf öffentliche Auf-forderung der Regierung hin eine hebräische Druckerei, die erste in Wien ,die mit hebräischen Typen (zu denen er Stempel und Matrizen ausAmsterdem bezog) druckte. Kurzböck, nach der in Österreich üblichenWeise mit Gnadenkcttcn beschenkt, geadelt und in den Neichsritterstanderhoben, war in der Solidität der Geschäftsführuug, der Sorgsalt inSatz, Druck und Korrektur und für Güte des Papiers Trattner über-legen und zugleich entgegenkommender in seinen Preisen. Anton Edlervon Schmid (geb. t765) war sein Nachfolger und brachte das Geschäft,