In Mecklenburg bildeten sich bedeutende Verlage erst zu Endedes Jahrhunderts aus; zuerst die Bildnerische Buchhandlung in Schwerin ,Wismar und Bützow, dann C. C. Stiller in Rostock .
Friedrich Perthes sagte später, bis zum Ende des 18. Jahrhundertssei der deutsche Buchhandel auf den Nordosten Deutschlands beschränktgewesen. Die Wahrheit der Angabe liegt darin, daß der Westen undSüden in weitem. Umfange litterarisch, konfessionell, politisch, wirt-schaftlich den großen zusammenhängenden Gebieten nationalen Fortschrittsgegenüber ein gewisses Sonderdasein führte, und gerade der Buchhandelist in seinen gewerbe-, rechts- und organisationsgcschichtlichen Seiten einlehrreiches Spiegelbild dieser Verhältnisse der deutschen Geschichte im18. Jahrhundert. Indessen darf man dabei unter dem „Ende" des18. Jahrhunderts nicht das Jahr 1800, sondern die letzten Jahrzehntedes Jahrhunderts verstehen und hinsichtlich der damals herrschenden Nach-druckszustände nicht vergessen, daß gerade sie das Symptom gewaltigerWandlungen und Fortschritte sind, in denen Deutschland , einen merk-würdigen Freiheitskrieg vor den Freiheitskriegen führend, in Sturm undDrang neuer Tiefe und Weite deutscher Einheit entgegenrang.
Frankfurt war das alte Leipzig, Wien , um kurz so zu sagen,das neue Berlin Süddentschlands; denn ebenso, wie sich das Berlin Friedrichs des Großen an der Spitze der norddeutschen Verlagsproduk-tion, nur von Leipzig abgesehen, emporschwang, so in Süddcutschland(auch Frankfurt überflügelnd) das Wien Maria Theresias und Josephs.Die Gewalt, mit der sich der Strom des Wiener Verlags in den Meß-katalogcn Bahn bricht, ist eine ungeheure und hat kein ähnliches Bei-spiel neben sich; das Jahrzehnt 1730—1739 verzeichnet 38 Artikel, imZeitraum 1740—1764 kommen aufs Jahrzehnt 89 und im Zeitraum1765—1805 1235 Artikel (fast genau die Hälfte der Berliner Pro-duktion). Und, was man mehr oder weniger für Süddcutschland über-haupt bcdcuken muß, welchen Mengen nachgedruckter Litteratur war dabeider Meßkatalog verschlossen; ein wie ansehnlicher Teil spezifisch katholischerProduktion zog hier seine eigenen Kreise!
Wien , eine Stadt zu Bcgiun der 1780er Jahre von etwas über50000 (mit den Vorstädten 205000) Einwohnern, zählte in der Mitteder 1780er Jahre 23 Buchhandlungen. Als die beträchtlichsten galten