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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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8. Kapitel: Das bibliopolische Deutschland .

Fritsch unterschrieb als sächsischer Bevollmächtigter den HubertusburgerFrieden und starb als Konfercnzminister zu Dresden : der BuchhändlerThomas Fritsch war der Stammvater von vier aufeinanderfolgendenGenerationen herzoglich und kursächsischer Staatsmänner. Das großeBuchhändlcrhaus! Wie könnte man es sich aber überhaupt aus demKulturbilde des 18. Jahrhunderts hinwcgdenken? Wen hat nicht inGoethes Erzählung seiner Leipziger Zeit die behäbige und anregendeLuft des Breitkopfschcn Hauses umweht, das so reiche litterarische undnaturwissenschaftliche Schätze in sich barg! Überall gehörten die Häuserder großen Verleger zu den hervorragenden Pflcgcstätten einer edlenliterarischen Geselligkeit, ja waren zuweilen geradezu deren Mittelpunkt:das Haus Reichs in Leipzig, Nicolais, später Reimers in Berlin ,Trattncrs und Kurzböcks in Wien, Schwans in Mannheim , Kantersin Königsberg. In einer viel persönlichem, ruhiger und breiter aus-ladenden Weise war ja damals die Lebensführung noch gebaut. DieGedanken schweifen nach Jena, wo das Frommannschc Haus der Sammel-punkt der Gesellschaft war. Früh um sieben wurde Kaffee getrunken,um zehn gefrühstückt, um eins.gegessen, um drei ging Frommann wie-der ins Kontor und kam um fünf zurück zum Thce, und von da abwar der ganze übrige Tag der Geselligkeit und der Lektüre gewidmet:bis gegen acht Uhr dem Verkehr mit Riemer, Goethe, F. A. Wolf,Zelter, Zacharias Werner , Hufeland, Fichte, Schölling, Schlegel, Ticck,Steffens, Ritter, den Damen Schopenhauer , und wer sonst an Männernund Fragen das Haus besuchte; und dann las Frommann der Gattinvor. Auf berufsmäßiger und gleichsam von innen und von außenher ihm zuauetlcnder gelehrter Bildung fußend, stellte so der Buch-händlerstand eine reiche, unendlich vielseitige und deshalb nach den ver-schiedensten Richtungen hin leistungsfähige Welt dar. Den einfachen,tüchtigen Geschäftsmann, den idealistisch beschwingten Menschenfreund,den Freund des reisenden Handwcrtsburschen und den Freund Goethesund Schillers, den über jesuitische Gewandtheit des Geistes und derFeder verfügenden Verteidiger des Rachdrucks, den gründlichen Verfechterdes Verlagsrechts, den technischen Erfinder, den Pionier, der neue Wegebahnte, sei es in den fernen Osten, sei es über den Ozean in dieNeue Welt, den Organisator der Kritik und der öffentlichen Meinung,den Manu, der hinterm Ladentisch mit dem alten Mütterchen und in