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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Buchhändlcrstand, Buchhändlerbildung.

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heit in der Beherrschung, Gliederung, Darstellung größerer Gedankcn-masscn aufgefallen zu gcschweigen, um aber doch auch dies nichtunerwähnt zu lassen, der Sorgsamkeit, Gefälligkeit, ja Schönheit derHandschrift, wie sie jener Zeit ja überhaupt eigen war. Dabei tretenim Ganzen wieder die Söhne der Buchhnndlerfcunilien besonders hervor,die vielfach sogar eine eigentlich gelehrte Ausbildung genossen zu-weilen, wie Nicolai, Cotta, über den Stand des Vaters hinausdrängendund dann dennoch zu ihm zurückkehrend, ihn so doppelt bereichernd.Was für vornehm gebildete Persönlichkeiten waren Voß, Decker, Mcweg,Brönncr, Gebauer, Hendel, Hcinsius, Stahe! und so viele andere;Breitkopf studierte, Raspe wird einer der gelehrtesten Buchhändler ge-nannt, Dyck hat promoviert. Ihre mehrjährige Reise durch Deutsch-land, nach der Schweiz, Italien, Frankreich, England , den Niederlandenhaben ssie in ihren jungen Jahren fast alle gemacht. Zahlreiche Buch-händler, gleichgültig welcher Herkunft sie waren, sind schriftstellerischthätig gewesen, nicht nur der buchhändlcrischc Gelehrte Nicolai und dergelehrte Buchhändler Breitkopf, und nicht nur die eigentlich den ge-lehrten Kreisen angehörigen Schwan, Campe, Helwing, Hartknoch u.s.w.;zunächst auf dem Gebiete ihres eigenen Berufes: Reich an der Spitze,Joh. Jak. Palm (nicht nur imNeucu Archiv"; er bearbeitete 1788bis 1792 vier Handbibliotheken der medizinischen, ökonomischen, juristischenund theologischen Litteratur), Joh. Chr. Gädickc (Weimar , seit 1804Berlin ) u. a. Joh. Gottfr. Dyck hat eine Menge pädagogischer, dramatischerund historischer Schriften verfaßt und hat seinen Platz in der Literatur-geschichte des 18. Jahrhunderts; Spencr, wie auch z.B. Reich, war alsÜbersetzer für seinen eigenen Verlag thätig, Decker schrieb, als dasBaucrngespräch" (1758) eingeschlagen hatte, selbst eine Fortsetzung dazu in12 Heften und begann im AlterErinncrungsblättcr" niederzuschreiben;Arnold schrieb geographische ^Führer; Hendel hat eine ganze Reihe vonSchriften für Geographie und Geschichte Halles, Wagner in Ulm eineganze Reihe Schulbücher und Gcbctsammlungcn verfaßt, Göschen undOehmigke in Berlin schrieben Romane und Lustspiele. Und wie nichtwenige Buchhändler und Buchdrucker angesehene Ämter im öffentlichenLeben ausfüllten, so wird man auch daran nicht ganz achtlos vorüber-gehen, welcher Ausgangspunkt das große Buchhändlcrhaus des 18. Jahr-hunderts für Männer anderer Berufe war; der Sohn von Thomas