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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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8. Kapitel: Das bibliopolische Deutschland .

Die Hauptmasse der deutschen Buchhändler gehörte noch nach alterWeise dein Verlagssortiment an. Wir hörten oben (S. 187), daß umdie Jahrhundertwende von den in den damaligen Buchhändleradreßbüchernverzeichneten Angehörigen des regulären Buchhandels 12"/<, auf denreinen Verlag entfielen; es ist ein Verhältnis zwischen Verlag und Ver-lagssortiment, wie es wenigstens annähernd auch in der zeitgenössischenStatistik angegeben wurde.

Als Sortimenter war der Buchhändler zugleich mehr oder wenigerAntiquar, der Kauf und Verkauf sowohl einzelnergebundener Bücher"wie ganzer Bibliotheken betrieb. Was überhaupt in einein guten Buch-laden vorhanden sein konnte, dazu mag die angesehene Kriegersche Uni-versitätsbuchhandlung in Gießen als Beispiel dienen. Krieger betriebVerlag,rohen Buchhandel" (rohen Sortimentshandel"), Handel mitälteren gebundenen Büchern" und Bibliotheken, führte Landkarten undAtlanten und besaß eine Leih- und Lesebibliothek. Eine große Nollespielen auch bei ihm die Neujahrswüusche; sie wie andere ihnen ähnlichekleine Blätter sind in gewisser Hinsicht unsern Ansichtspostkarten ver-gleichbar und waren vielfach auch ebenso derb, sodaß man sie gelegentlichin Nürnberg , wie wir hörten, ^überhaupt gänzlich verbieten wollte. Weiteraber gab es im Laden Medaillons zu Silhouetten, Reißzeuge u. dergl.,und schließlich befaßte sich Krieger, wie wir das so häufig finden, mitdem Verkauf von Münzensammlungen.

Ein besonderer Zweig des Antiquarhandels war der Disscrtations-hcmdel. Vergegenwärtigen wir ihn uns an einem einzelnen Beispiele,demjenigen Valentin Cammerers in Erlangen . Sein Bruder (JohannDietrich Michael) war Buchdrucker in Erlangen und druckte mit Ge-nehmigung der Verfasser, die so billiger wegkamen, Partien der Pro-gramme und Dissertationen, die er herzustellen bekam, für sich nach, ließden Gelcgenheitstitel weg und setzte einen neuen, häufig mit dein Druck-ort ?rankokurt,i et I^ipsiae, vor. Valentin betrieb ihren Tausch undVerkauf in Erlangen, Leipzig und überall sonst in Stadt und Land.Allmählich erweiterte er seinen Betrieb zum eigentlichen Antiquarhandelund wurde in Erlangen Universitütsbuch- und Disputatioushündlcr.Sein Antiquarkatalog vom Jahre 1796 hat einen Umfang von fast5 Alphabet und verzeichnete die wertvollsten Werke; Disputationen besaßLr um diese Zeit gegen 30000; von ihnen gab er wiederholt juristische