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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Die Geschäftszweige.

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und historische Spezialkataloge heraus (Theologen und Mediziner hattennach seiner Erfahrung zu wenig Interesse dafür), in? Umfang von etwaeinem Alphabet. Er hatte gleichmäßige Bogenprcise; das Alphabet kostete12 Kreuzer rheinisch, aus 10 Alphabet ging das elfte frei, wurde mehrgenommen, so verbilligten sich die Preise noch weiter. Aus der bitterstenArmut hat sich Cammerer durch den Antiquariats- und Dissertations-handcl zum kleinen Kapitalisten emporgearbeitet. Etwa denselben Umfanghatte gleichzeitig die namhafteste Dissertationshandlung in Nürnberg , diedes Antiquars Johann Leonhard Sixtus Lechner. Auch bei ihm wardas theologische Fach am schlechtesten besetzt, am besten dagegen nebendein juristischen auch das medizinische. Seine Verzeichnisse waren aller-dings nur geschrieben (und nur alphabetisch geordnet). Die Preise warenetwa dieselben wie bei Ccimmerer: 1015 Kreuzer das Alphabet, jeuachdem die Schrift älter oder neuer war und ob mehr oder wenigergenommen wurde. In Leipzig war lange Zeit der Dissertationshandeldes Buchdruckers Langenheim besonders angeschen, in Thüringen z. B.der des Univcrsitütsbuchdruckcrs Görling in Erfurt .

Die Scheidung der Zweige des Handels und der Vervielfältigung,wie sie gewerberechtlich fast ausnahmslos durch ganz Deutschland galt,war auch praktisch uoch von großer Bedeutung. In Preußen , dem auf-geklärtesten Staate Deutschlands , der auch im Kampfe gegen Privileg,Monopol und Zunftwesen voranging, wnrde in der Bewegung gegenden Druck außerhalb Landes von I. F. Unger dem Jüngeren geradehierauf der Finger gelegt; das einzig durchschlagende Mittel sei dies,den Buchhandel wieder mit dein Buchdruck (und der Schriftgießerei) zuvereinigen, wie es einst im 15. Jahrhundert gewesen sei; dann könneder Verleger billigere Preise ansetzen. Zugleich würden damit die An-forderungen an den Buchhändler höhere; ihre Zahl werde sich vermin-dern müssen, der schlechten Buchhändler, die gewöhnlich zu hohen Rabattans Publikum gewährten und schleuderten, würden weniger werden.

Wir wissen, daß diese Scheidung bei weitem nicht so durchgreifendwar, als jemand, der nichts als solche Äußerungen kannte, annehmenmüßte. Einmal gingen zahlreiche der bedeutendsten Buchhandelsfirmenaus Druckereien hervor, denken wir nur an Männer wie Breitkopf,Decker, Trattncr, Vcmdenhoeck u. s. w. Daneben stand die Menge jenerAngehörigen des Buchgewerbes, die wir früher kurz als dieangestellten