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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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L.Kapitel: Das bibliopolische Deutschland .

Druckcrverleger" bezeichnet haben. Die ursprünglich reinen Drucker, diekeine besondern Buchhandclsprivilegien besaßen, sollten allerdings eigent-lich nur zumSelbstverlag" berechtigt sein; aber die eifersüchtigen Be-mühungen der Buchhändler, die Buchdrucker vom Handel auszuschließen,die in altbekannter Weise auch dem Zeiträume, in dem wir uns hier be-finden, zur wenig erfreulichen Zierde gereichen, würden allein zeigen,daß die Wirklichkeit nicht damit übereinstimmte.

Zu Ausgang des 18. Jahrhunderts beginnt ein neuer Abschnitt inder Geschichte der Beschwerden über die Konkurrenz der Buchhandlungen.Das äußere und innere Wachstum der Nation und das Wachsen undWandeln des Buchhandels nach Zahl, Leistung und Organisationsform,sie hängen unmittelbar zusammen. Etwa um die Wende des vorletztenJahrzehnts hob sich jene neue Welle, und sie steht bereits im Zusammen-hange mit dem Wandel der Organisation; das Aufkommen des Kondi-tionssystems entwickelte das neue reine Sortiment oder noch schärfer:das reine Lokalsortiment, und zwar auch an kleinern, für den Verlagungünstiger» Orten. Das ist in unserm Zeitraum das Neue, der neueEinsatz, das sich erst Entwickelnde. Überblicken wir ihn dagegen nachden im ganzen in ihm herrschenden Zuständen, so haben wir an dieVerbindung von Sortiment und Verlag (und zwar eine solche Verbin-dung, bei der der letztere Lebensbedingung des ersteren ist) und an weiteStrecken zu denken, die von einem kleinern regulären Lokalbuchhandelnoch wenig wußten. Es gebe kaum einebeträchtliche Stadt", rühmtPütter im Jahre 1774, in der sich nichtein oder mehrere Buchläden"befänden, und in den meisten Gegenden Deutschlands bedürfe eskeinerTagereise, um immer wieder andere Buchhandlungen anzutreffen"/"Eine Tagereise: auf der kam man aber doch von Göttingen , wo Püttcrschrieb, etwa bis Braunschweig. In Oldenburg wurde die erste ständigeBuchhandlung, die bald wieder eingegangene Cramersche Handlung, erstin den 1780er Jahren auf Veranlassung der 1779 begründeten Oldcn-burgischen litterarischen Gesellschaft gegründet, der dann die Stallingschc(1790) und Schulzeschc Buchhandlung (1800) folgten." In Sorau wurde erst um das Jahr 1788 eine Art Buchhandlung gegründet, dieerste in der ganzen Niederlausitz/ ^ In den drei bayrischen ProvinzenOberpfalz, Sulzbach und Nürnberg bestand im Jahre 1794, als derAmberger Rcgicrungsarchivar Sim. Joh. Wiesinger seine Ambcrger Buch-