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Lehrer allein, die sich nebenher mit dem Vertriebe von Büchern befaßten;und daneben spielte sich die übliche Bcrmittclung von Subskriptionen undPränumerationen durch Gelehrte, Beamte, Lehrer, Geistliche ab. InPernau (Livland ) gab es noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts keinenBuchladcn: ein Dr. Weitzcnbreycr hielt eine Lese- und Leihbibliothek undverschrieb jedem, der sich an ihn wendete, alles, was er verlangte.^Als Kehr nach Kreuznach kam, sorgten dort zwei Buchbinder für diegewöhnlichen Schulbedürfnisse, uud ein Spezcreihändlcr unterhielt einLeihbibliothekchen; wer sich ein Buch anschaffen wollte, ließ es sich vonMannheim oder Frankfurt kommen. Dazu durchstreiften die kleinemWanderhändler die Lande.
Namentlich in Süddcutschland hören wir immer und immer vonden „Krachsenträgern", die sich wie die Aale durch die Reusen der Zoll-und Censurenschicht zu schlängeln wußten. Alle Schriften, schreibt derobenerwähnte Wicsinger aus Amberg, kommen aus Schwaben und Fran-ken, von Augsburg, 'Nürnberg, Bayreuth, Erlangen und Regensburg herein, und der größte Büchcrtransport wird durch die Krachsenträgerbesorgt, die sich gewöhnlich heimlich über die Grenze schleichen, das Landkreuz und quer durchziehen, allerlei Schriften für teures Geld absetzen„und den geraden, gutmüthigen leichtgläubigen Mann auf dem Landeauslachen". So mancher „Gängler" oder „Trägler" arbeitete sich zumwohlhabenden katholischen Buchhändler oder Druckerverlcgcr empor. Mit„Kirm" oder „Kreutz" (Tragbutte) war er anfangs hcrnmgewandcrt,im Konventsgang der Klöster breitete er seine Ware aus, der BruderIzidliotliöearius wählte den Bedarf aus und zahlte bar oder — mitMeßobligationen, d. h. Anweisungen auf das Lesen heiliger Messen, eineBezahlung, mit deren ehrfürchtiger Annahme auch reguläre Buchhand-lungen den heiligen Männern Appetit zum Büchcrkanfen zu machenpflegten: in einem Verzeichnis christeifriger Seelcnwccker, Marial-, Sancto-ral-, Quadragesimalprcdigten u. s. w. von der Wolfschen Buchhandlungin Augsburg vom 20. März 1785 findet sich die Anzeige: „Der hoch-und ehrwürdigen Geistlichkeit zum Besten, besonders den Herrn Kaplänenund Seminaristen, hat sich cndcsbenanntc Buchhandlung entschlossen,nachstehende Werke auf sechs Monate von Dato an, halb um baaresGeld und halb um heilige Messen für angesetzte billige Preise abzugeben".Die Anweisungen, die den Privatbedarf einer Buchhändlerseele über-