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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Wandcr- und Marktbuchhandel. Ausländischer Buchhandel. HZ1

stiegen, wurden im Geschäftswege weiter verhandelt; auch an die Patresin den Klöstern wurden sie, wie Nicolai erzählt, mit entsprechendemRabatt verkauft. Mit der Zeit legte sich der Trägler einen Unterträglcrzu, nicht lange, und er fuhr mit einem Einspänner, auf dem ein Re-positorium angebracht war es war während des Transportes durcheinen Bretterverschlag geschützt, der, wenn der wandernde Buchladen auf-gestellt wurde, als Regendach diente; nach sechs bis acht Jahren endlicherwarb er in einer katholischen Stadt Haus und Buchhandlung undsandte eigene Trägler aus.

Aber auch ordentliche Buchhandlungen übten noch den alten Wander-und Markthandel, ebenfalls besonders im Reiche. Hier gab es noch zahl-reiche Inhaber großer Buchlüden, die den größten Teil des Jahres auf aus-wärtigenDulten" (Märkten) zubrachten." Im Vordergrunde standen dieMessen und Märkte in Wien, Prag, Salzburg, München , auch in tirolerund schwäbischen Städten. Gewiß waren das nur Reste eines einst herr-schenden Gebrauchs, und von den Nürnberger Buchhandlungen z. B., dieeinst wie alle übrigen alle diese und andere Märkte aufgesucht hatten, be-suchten zu Ende des 18. Jahrhunderts nur noch die Steinsche und ZehscheHandlung die Messen in München und Salzburg . 6" Allein gelegentlicheNachrichten zeigen doch, daß diese Art des Verkehrs für den süddeutsche»Buchhandel Mittlern Schlags noch eine große Bedeutung hatte. DerWiener Markt wurde noch zu Ende des 18. Jahrhunderts z. B. vonschwäbischen und Straßburgcr Buchhändlern ständig besucht^; PrägerLichtmeß-, St. Veit- und St. Weuzeslai-Kataloge liegen uns von Nürn-berger Buchhandlungen aus den 17lZ0cr und 1770er Jahren vor undsind gewiß auch von andern und noch später gedruckt worden.

Die Verhältnisse einer alten Zeit, in der man den buchhändlcrischenVerkehr Deutschlands mit dem Auslande bei weitem nicht allein zwar,aber doch vorwiegend nach der persönlichen Anwesenheit der Ausländerauf deutschen Büchermcßplätzen beurteile» konnte, sind längst, längst vor-über. Die ausländischen Besucher der Leipziger Messen kamen vorzugs-weise aus dem Norden, aus Kopenhagen, Stockholm, Riga , aus Ge-bieten, die bnchhändlerisch nicht zum Auslande gehörten. Lconhardi erzählt(1799), wie auf der Leipziger Ostermesse Buchhändler aus Frankreich ,der batavischen und helvetischen Republik, aus Dänemark, Schweden ,Livland, Rußland, Polen, Ungarn, Österreich mit denen aus Deutschland

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