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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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L.Kapitel: Das bibliopolische Deutschland .

verschrieben wurden. Und wie schon in der ersten Hälfte des 18. Jahr-hunderts, so verschrieb in noch höherm Maße jetzt das Ausland selbstLitteratur der eigenen oder anderer außerdeutscher Länder aus Deutsch-land; und der deutsche Buchhändler lieferte es aus seinein Lager oderwußte es dank der Organisation des deutschen Buchhandels in Kürzezu beschaffen.^

Aber auch mit französischem Originalverlag spekulierte der deutscheBuchhandel, und zuweilen mit glänzendem Erfolge. Georg ConradWalther in Dresden gab mit Voltaire zwei von dessen besten Gesamt-ausgaben heraus; von Voltaires^nnalss äs 1'öwM's" erwarb er1000 Exemplare zum Alleinvertrieb in Deutschland . Welche bedeutendenGeschäfte er mit Voltaires Werken machte, geht daraus hervor, daß ervon Voltaires bei Nicolai erschienenenLieelk de I^ouis XIV" füretwa 1400 Thaler die ganze Auflage von 2400 Exemplaren ankaufte.^

Die Meßrelationen der ersten Jahre des 19. Jahrhunderts hcbeuden lebhaften Absatz nach England hervor. Im Jahre 1801 lauteteeine einzige Londoner Bestellung auf Bücher für 2500 Rthlr., meistdeutsche Ausgaben lateinischer und griechischer Klassiker; daneben wurdenbesonders englische und französische Nachdrucke bestellt. Freilich erhöhteEngland deshalb seinen Einfuhrzoll auf fremde Bücher; statt der bis-herigen Convoy-Abgabe wurde ein Zoll von 11 sii. 3 ä. auf 100 Pfundgebundener, von 5 sd. 8 ä. auf 100 Pfund ungebundener Bücher gelegt.Am schwächsten war der Verkehr mit Italien . Obgleich er fortdauerndbestand, so bemerkt doch die Ostermeßrelation von 1804, es beginnejetzt ein Tauschhandel mit einer Triester und Florentiner Handlung, derzwar jetzt noch zum Vorteil der Italiener ausfalle, aber doch die bishersehr mangelhaft gewesene litterarische Verbindung beider Länder befördere.

In den Ostseeprovinzen stand Johann Friedrich Harttnoch auf Vor-posten, deruns allen unvergeßliche, aufgeklärte, rastlose edle Mann,durch dcsscn^Bemtthungcn die Schriften der vorzüglichsten Köpfe Deutsch-lands, Englands, Frankreichs und Italiens , die kostbarsten Kunst- undPrachtwerke, aus der ältern und neuern Zeit hierher gekommen unddessen Buchhandlung mehr denn 30 Jahre die Pflegerin und Ernährerinaller soliden Wissenschaften, der Kunst und des Geschmackes gewesen";so sprechen zu Ende der 1790er Jahre die Zeitgenossen von ihm, unterdenen er von 1763 bis 1767 in Mitnu, von 1767 an in Riga