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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Ausländischer Buchhandel.

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durch den Zoll. Nach demVerlagsraub" (1792)«« bestand ein Ausfuhr-zoll von 25 Livres (6^ Rthlr.) pro Centner, sodaß der deutsche Buch-handel den Livre statt zu 6 gr. zu 8 gr. rechnete, m. a. W. also diefranzösischen Verkaufspreise um 33^°/^ erhöhte, und nach Reichs Ge-schüftskorrespondcnz wurde im September 1770 für alle nicht in derNationalsprache des einführenden Landes geschriebenen Werke ein Einfuhr-und Durchgangszoll von 78 Livres (19 Rthlr. 3 gr.) eingeführt (Elsaßnnd Lothringen lagen aber außerhalb dieser Zollgrenzen), sodaß die deutscheEin- und Durchfuhr (besonders nach Italien ) fast gelähmt wurde; imDezember 1773 wurde er dann auf Vorstellung der französischen Buch-händler hin ermüßigt. Allein der Verkehr auch mit Frankreich war einganz außerordentlich lebhafter. Reichs Verlags- und Kommissionsgeschäftstand im Verkehr mit Firmen in Riga, Petersburg, Kopenhagen, Stock-holm, London, Amsterdam, Lehden, Utrecht, Haag, Genf, Lausanne , Paris,Marseille, Dijon, Lyon, Rom, Mailand, Turin, Parma, Neapel, Lissabon .Mit Paris selbst war sein Verkehr allerdings weniger rege; der deutsch -romanische Verkehr wurde besonders durch Dijon, Lyon, Straßburg ,Genf, Lausanne vermittelt. Mit Lissabon bestand kein Wechselverkchrmehr; Reich lieferte nur, empfing aber nichts von dort. Der VerfasserdesVerlagsraubs" erklärt, daß wegen der französischen Kredit-, Rabatt-und Zollvcrhältnisse ein französischer Buchhandel in Deutschland , nochviel mehr ein deutscher in Frankreich nicht lebensfähig sei; in Deutsch-land habe sich bisherhöchstens nur" in Berlin eine französische Buch-handlung mit Vorteil halten können. Richtig ist das aber nicht. Zwarwissen wir nicht, in welchem Maße die zahlreichen von französischenBuchhändlern in Deutschland gegründeten Buchhandlungen überall gediehensind; allein die geschäftliche Bedeutung der aus Frankreich , und wievon dort so auch aus England bezogenen auslandischen Litteratur warja ein ungeheurer. Wo wir auch Hinsehen in den größern Buchhandels-städten, in Leipzig, Berlin, Frankfurt a. M., Hamburg, Dresden, Bres-lau, Mannheim, Bern , Gießen, überall finden wir das ausländischeSortiment (es ist überall ganz überwiegend französisch) in der alleraus-giebigsten Weise gepflegt; der Markt war erfüllt von ausländischen Sorti-mentskatalogcu (meist rein französischer Litteratur) deutscher Buchhand-lungen und den Katalogen der auslüudischen Firmen, deren Artikel dannebenfalls von den deutschen Kommissions - und Sortimentshandlungen