574 9, Kapitel: Der Horvath-Göschcnsche Reformversuch.
ist ebensowenig für den Charakter dieser Bewegung bezeichnend. Die Übel-stände, die er im Auge hatte, beziehen sich auf das Verhältnis des Staateszum Buchhandel: Josephs Gleichstellung der Buchhändler mit Dllten-krämern, die Beschränkung der Gültigkeit der Privilegien auf die ein-zelnen Territorien, die Censurbedrückungen und die ewige Gültigkeit derFamilienprivilegien sind die vier Punkte, auf Grund deren er diedeutschen Buchhändler aufruft, „im Bllndniße mit den Weisesten derNation" der allgemeinen Not zu steuern. Jetzt aber lag das Verlangenin der Luft nach einer Reform, die aus dem Schöße des Buchhandelsselbst hervorgehen und die den ganzen Buchhandel betreffen sollte. „DieBesseren vereine ein Bund, die Ehre ihres Standes zu erhalten. DerAuswuchs jeder Art werde bemerkt und weggeschnitten, und nur derrechtschaffene und solide Mann erhalte Achtung und Credit ."^ „DieEiter Beulen an der Gelehrsamkeit und die Krebs Schäden an demBuchhandel müssen abgelöst und alles Mitleid über die Schmerzen desKranken bei Seite gesetzt werden."^
Zuerst hatten, wie wir wissen, Bensen und Palm laut den Rufnach der allgemeinen Reform erhoben. „Ich will den Buchhandel nichtin Fesseln gelegt wissen, nein, er muß frey wie jeder andere Handel seyn,wenn er gedeihen soll. Allein seine Freiheit arte nicht in Willkühr aus."^Dieselbe Forderung einer Bindung, einer festen Gcsamtorganisation ver-trat in aller Schärfe der Allgemeine literarische Anzeiger; der Haupt-punkt seines Neformprogramms war „eine Vereinigung oder Verpflich-tung des bessern Thcils der Buchhändler auf gewisse schriftlich aufgesetztePunkte zu einem solidern Betragen gegen einander, und zu einem an-ständigem Betragen gegen das Publikum". Man empfand bitter denMangel jeder allgemeinen Normierung der Geschäftsbräuche. Eiu ausBuchhändlern bestehendes „Billigkeitsgericht" war notig. Mehr kauf-männische Ordnung und Pünktlichkeit, mehr Einigkeit und Gemcinsinn —dann würden viele Klagen von selbst wegfallen; aber dazu mußten nichtnur einerseits alle Unregelmäßigkeiten und Blüsercien auf der Messe ver-hindert^ und die unberufenen Elemente ausgeschlossen — hierzu warallerdings staatliche Beihilfe zu wünschen —, sondern auch die zumBuchhandel zugelassenen Elemente besser ausgesiebt werden; man schlugein Examen am Schluß der Lehrzeit durch ein buchhändlcrischcs Kollegiumvor.6" Das Gefühl der organischen Zusammengehörigkeit in der Reform-