Charakter der Rcformbewcgung.
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Friede! Durch alle jene Klagen zieht sich die Betonung des Mangelsder Einheitlichkeit- jeder hat seine Grundsätze, macht seine eigenen Be-dingungen, der eine gibt ii eonä., der andere nicht, der eine gibt vonJanuar an auf neue Rechnung, der andere nicht, u. s. w.: „kurz es isteine solche Verwirrung im Buchhandel, deren sich jeder andere Kauf-Mnnn schämcu würde." Grade der Umstand der Spaltung, Vereinzelung,Verwirrung war es, der jenem idealistischen Zuge seine Nahrung undso der nach den verschiedensten Richtungen sich verästelnden, in kleinste'und speziellste Scitcngängc sich verzweigenden Reformbewegung dochüberall den gleichen Ton gab. Vergegenwärtigt man sich die gesamteReformbcwcguug in ihrer geschichtlichen Stufenfolge, so trat zuerst derKampf gegen den Nachdruck auf; dcmn, sofort mit Beginn des nach-reichschcn Zeitalters, tritt dieser Punkt zurück und die grundsätzliche!:organisatorischen Gegensätze werden ins Auge gefaßt; alsdann drängensich die unmittelbar sichtbaren und fühlbaren Folgen der Überproduktionund Übcrfüllung auf und treiben zu dem Versuche eiucr gemeinsamenBezwingung der geschäftlichen Mißstände. Die drei Hauptpunkte: Nach-druck, Grundprinzipien der Organisation, geschäftliche Mißstände, und indieser Aufeinanderfolge, bezeichnen die Anleitung, wenn nur kurz so sagendürfen, sowohl zum anatomischen wie zum phylogenetischen Verständnisder Ncformgcdankcn vom Jahre 1802. Und entsprechend dieser Abfolgeund dem mit ihr so eng zusammenhängenden Wachstum des buchhänd-lcrischen Bewußtseins entwickelt sich die Idee des genossenschaftlichenZusammentretcns, Znsammcnhaltcns nnd Zusammenwirkens. Konnteder Nachdruck nicht vom Buchhandel selbst ausgerottet werden; konntendie Grund- und Umfassungsmauern der Organisation, eines Natur-produktes des Verkehrs, uicht in einer NarSvcrsammlung geschossenwerden: Ausbau, Ausbesserung, Einrichtung des Gebäudes, Nufrccht-erhaltung der Ordnung, der Wohnlichkcit, des Hausfriedens in ihmmußte die Sache des Buchhandels selber sein.
In der ersten Hälfte der neunziger Jahre sieht man noch hierund da das Verlangen nach einer allgemeinen Reform besonders ausdem Verlangen nach der Ausrottung des Rachdrucks hervorwnchscu^, oberim allgemeinen war man es müde, über den Nachdruck zu schreien und zudiskutieren, müde, nach den Thronen der Fürsten zu spähen, von denenHilfe kommen sollte. Der temperamentvolle Appell Wilhelm Fleischers^