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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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9. Kapitel: Der Horvath-Göschcnsche Reformvcrsuch.

den Charakter jcncr Zcit täuschen. Die Bedingung einer Reform desBuchhandels, heißt es in einer Zeitschrift vom Jahre 1803, ist dieWiederherstellung einergewissen Gleichheit" in der Vcrlagsproduktiou,wie sie einst bestand. Dazu muß die alte Zeit des Tauschhandels wie^der aufleben, in der die Gelehrten noch der Ehre wegen schrieben unddie Buchhändler sich nicht überbrückten. Zugleich müssen sich aber alleHandlungen, die seit mehreren Jahren in einer Messe zwanzig undmehr Artikel geliefert haben, verpflichten, in einem Zeitraum von min-destens zehn Jahren von Fortsetzungen und klassischen Werken ab-gesehen nichts neues zu verlegen, alle übrigen dürfen während des-selben Zeitraums nicht mehr als je drei Alphabete jährlich drucken.Dann werden ältere Werke wieder in Gang kommen; das Papierwird gespart, also billiger; und besser und billiger werden die Novi-täten/"

Verständiger waren Vorschläge, wie sie Bensen und Hcinzmann mach-ten. Beide sahen einen Weg zur Besserung in der Weitcrcntwickclung undvollen Entfaltung einer wohldurchgebildetcn Spezialisierung. Nur wohl-unterwiesene, geschickte und wohlhabende Leute sollten den Verlag betreiben,die kleinern Buchhändler aber, aus deren Pressen doch nurschlechtes,nachgeahmtes oder abgeschriebenes Zeug" hervorginge, sich auf denSortimcutshaudel beschränken." Noch mehr; der Verlag selbst muß sichmehr und mehr spezialisieren. Schon in der Lehrzeit soll der künftigeVerleger seine Wahl treffen und sich in seinem Spczialfache vorzugs-weise ausbilden; und daraufhin wird er auch vou der Prüfungs-kommission der Gelehrte aus alten Fächern beizugesellen sind, dieaber besser nicht als staatliche, sondern als buchhäudlcrische Privatcin-richtung zu organisieren ist speziell geprüft.^ In völliger Speziali-sierung stehen sich beide Zweige gegenüber; gerade dadurch unterstützen sie,von denen keiner den andern entbehren kann, sich auf das Vollkommenste;die Menge von Schofelzeug, das bloß zum Tauschhandel bestimmtist, würde sodann ungedruckt bleiben, unser Publicum hätte von dieserVerbindung bessere Verlagswcrke zu erwarten. . . Auch die Nachdruckcrhätten nun böses Spiel, wenn so die Originalverlegcr und die Sorti-mcntshändlcr brüderlich und vertraulich zusammenhalten. Aber ist dasnicht ein Traum aus tausend und einer Nacht?" Er kann nicht inErfüllung gehen, ohne daß eineTotalvcrändcrung" eintritt.'"