Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
579
Einzelbild herunterladen
 

Reformversammluug vom 23. Mai 1802.

579

Gebiets Treuttel <K Würtz aus Straßburg und die Orellsche Handlungaus Zürich . Dicterich, Frommann; das Weimarische Jndustric-Comptoir(Bertuch). Zwei Wiener und eine Präger Handlung; aus Schwabenneben Cotta die Stcttinsche Handlung (Ulm ); zwei Handlungen ausFrankfurt a. M., darunter Varrcntrapp K Wcnner; Niirnberg wardurch Monath K Weiß vertreten; aus Gießen Heycr. Horvath sprach es ist die erste uns überlieferte Anrede, die ein Buchhändler imSaale einer Deutschen Buchhändlerborse zu Leipzig an den deutschenBuchhandel gerichtet hat:

Meine Herren!

Alle Kcnlflcnte handeln nach richtigen, bestimmten Grundsätzen. Jeder Pro-sessionist ist durch Jnnnngen zu einer gewissen Ordnung verpflichtet, uicht zumSchaden und Verderben seines Mitmeisters zn arbeiten nnd sich selbst zn ruinieren;er wird von der Zunft zurechtgewiesen, oder er verliert die Achtung seiner Mit-mcister. Nur bei uuserm Buchhandel herrscht seit vielen Jahren eine Unordnungnnd für nns entehrende Art, die Geschäfte zu betreiben, daß mau sich bald schämenmuß, Buchhändler zu sein.

Worau liegt dieses? Es fehlt der dazu höchst nötige Gemeiugcist.

Wir wissen nnd fühlen es alle, auf welche elende Weise mancher, oft ausäußerster Not gezwungen, seine Geschäfte betreibt; er kann sich aber nicht andershelfen und davon losreißen, weil er kein Mittel sieht nnd weiß, wodurch er ansdieser schlimmen Lage gerettet werden könnte. Eine Radicalknr ist daher höchstnötig, und diese kann meines Erachtens nicht anders als durch ein imposantesgewaltsames Mittel bewirkt werden. Will man von dem höchst unanständigenHandlungsvcrfahren verschiedener Buchhändler genaue Kritik haben, so lese mandie Aufsätze, welche Ungenannte nnd Handlnngsgenvssen imLiterarischen Anzeiger"1799, September und Dezember und 1801, September haben einrücken lassen,worinnen wahrlich alles der Wahrheit gemäß geschildert ist.

Lassen Sie nnS daher gemeinschaftlich nnd freundschaftlich diese eingerisseneUnordnungen in Erwägung nehmen nnd durch unsere heutige Zusamincnknnft über-legen, wie diesem inuner mehr einreißenden Übel znm Vorteil der ganzen Hand-lung abgeholfen werden könnte. Ich trage dieses ans höchst dringendes Ver-langen einer großen Anzahl Buchhändler vor, welche sehnlichst wünschen,daß darüber etwas fest Bestimmtes beschlossen werden möchte. Wir laden daherunsere sämtlichen Handluugsfrcuude ein, sich mit uns über nachfolgende Punktezum Vorteil des ganzen Buchhandels zu vereinigen, damit unsere Geschäfte undArt zu handeln gleich andern Kanfleuten mehr Ansehen beim Publikum gewinne.

Erster Vorschlag: sollten über das ungebührliche Rabattgeben an Paltituliers -sehr ernste Maßregeln genommen werden. Nämlich: Der Rabatt an Partikuliersmuß gänzlich aufhören. Wer nach dem bestimmten Zeitkauf von 6 Monatennm die laufende Rechnung mit seinen Kunde» abzumachen darwidcr handelt,verliert den Kredit bei den unterschriebenen Handlungen ans immer. Auch die-jenige Handlung von uns, welche eine solche im Übertretungsfall be-troffene Handlung mit uuserm Verlag sortieren sollte, ist gleicher Behandlung

37*