580 3. Kapitel: Der Horvath-Göschcnsche Reformvcrsuch,
von uns ausgesetzt. — Der Vorteil, der hieraus jedem wohldenkenden Buchhändlererwachsen muß, ist zu einleuchtend, daß man nicht nötig hat, hierüber ins Detailzu gehen, um diese leicht einzusehende Sache durch Beweise zu erörtern. — Wirsind sämtlich von allen den Handlungen ganz genau unterrichtet, welche zu ihremeigenen und anderer Ruin 16, 20, 25, ja sogar SV p<Äo. Rabatt an Partiknliersgeben; das zu beweisen, lege ich den mir von Herrn Kehscr aus Erfurt einge-händigten Brief vor, woraus wir ersehen können, was wir in wenigen Jahrenwerden zu befürchten haben. Diese werden aufs freundschaftlichste gewarnt, diesehöchst unanständige Handlungsweise gänzlich aufzugeben und ihren Käufern dieauf der Börse geschlossene Konvention, wenn selbige in den Händen aller Hand-lungsfreundc sein wird, bekanntzumachen. — Mit den Kommissionärs inkleinen Städten, wo keine Buchhandlungen sind, muß freilich eine Aus-nahme gemacht werden und eine billige Gratifikation für ihre Bemühung statt-finden; jedoch muß nicht, über 12 bis 16 pLto. gegeben werden.'
Zweitens: wünschen wir einen Ausschuß von 24 soliden und erfahrenenBuchhändlern, welche über manche streitige Punkte bei uuscrm Handel das Ent-scheidungsrecht haben und über das Wohl der Handlung wachen sollen, weil oftdie gerichtliche Hilfe bei vielen vorkommenden Füllen die innern Handlnngs-verhältnisse nicht genau kennt.
Drittens: wie ist der immer mehr zunehmenden Anzahl Buchhändler, dieoft nur eine Messe besuchen, Einhalt zu thun? nnd: wie müssen wir verfahren,um nicht einem jeden so leicht Kredit zu geben? — Ich schlage vor: keinem vorVerlauf von 3 bis 4 Jahren, nicht ohne Caventcn oder gegen gleich bareZahlung etwas auf Kredit zu geben. Der Mann, der dafür gutsagen will, mußmit dem Ausschuß darüber einen gerichtlichen hypothekarischen Vertrag eingehen,daß er für eine bestimmte Snmme nach Proportion des Geschäfts für den neuetablierten Buchhändler jährlich haften will.
Viertens. Wäre es nicht möglich, auf der Messe eiucu bestimmten Zahlungs-fuß anzunehmen? Sowohl in Absicht der zu zahlenden Summen, als auch desGeldes; damit für jeden mehr Ordnung in dieser Sache bewirkt würde. ZumExcnyicl: bis 20 Reichsthalcr müßten alle Saldos rein ausgezahlt werden,von 20 bis 30 Reichsthalern fünfundzwanzig Reichsthalcr, von 30 bis 40dreißig Reichsthalcr, von 40 bis 60 fünfuudvicrzig Reichsthalcr, vou 60 bis100 achtzig Reichsthaler. Hierdurch würden die großen Überträge vermiedenwerden, die manchem in der Michaelismcsse sehr lüstig fallen, und beide Teilekönnten eiucu sichern Etat über Einnahme und Ausgabe machen. Für dieZukunft würde diese Zahlungsart für jeden von sehr großein Nutzen sein. Werganz auszählen kaun, lvird es dem ohugcachtct thun.
Diese Punkte werden nach geschehener Genehmigung gedruckt und allen Hand-lungsfreundeu in äuxto zugesandt, wovon das eine, mit eigener Hand unter-schrieben und mit dem Handlnngssiegel besiegelt, an die Mitglieder des ge-wählten Ausschusses nach Leipzig gesandt, um daraus zu ersehen, wer dieser Kon-vention beitreten will. Die solches nicht thun, zeigen dadurch an, daß sie es nichtwillens sind; gegen diese würden sodann obige Verfügungen in der nächsten Oster-messc in Erfüllung gebracht werden.
Der Höchste gebe zu dieser für uus so wichtigen Sache sein Gedeihen!