Göschens „Gedanken". 589
zuerst voll den Börsenvorstchern vertraulich, dann in versammelter Gesell-schaft öffentlich mit einem Verweise gerügt. Die Börscnorgcmc sind dieBörscnversammlung und der Vorstand; in den Provinzialbestimmungcnüber den Ladenpreis sind engere Provinzialvcreinignngen angedeutet. DieBörscuvcrsammlung findet alljährlich in den letzten Tagen der Ostermessestatt. Sie berät und beschließt über Beschwerden und Vorschläge aller Art,nimmt die Abrechnung des Kassierers entgegen. Es ist für ein der Mit-gliedcrzahl und Bedeutung der Gesellschaft entsprechendes Abrechnungs-lokal zu sorgen; Göschen hoffte, man werde die Leipziger Börse, die vonden Kauslcuten nicht mehr besucht wurde und Eigentum des Magistratswar, mieten können. Der Vorstand besteht aus den Vorstehern, einemjungen Rcchtsgclehrten als Sekretär und dem Kassierer. Die Vorsteherentscheiden in zweifelhaften Fällen, über welche die Artikel nichts be-stimmen; sie suchen gütliche Ausgleiche herbeizuführen und erteilen dievertraulichen Vorstellungen und öffentlichen Rügen; sie prüfen die Klagen,revidieren die Kassen; „und wachen überhaupt über die Artikel uud über dieWohlfahrt der Gesellschaft". Der Sekretär empfängt die Klagen wegenZuwiderhandlung gegen die Börscnartikcl und alle sonstigen Beschwerden,nimmt sie zn Protokoll, übermittelt dies den Vorstehern und untersucht beiungenügenden Beweisen den Klagefall. Außerdem fungiert er als Schrift-führer und in der Ostermcßversammlung als Referent und Protokollant.
Wir sehen: die Göschcnsche Schrift ist der Ausdruck der mit denForderungen des neuen RcformzcitalterS verbundenen Grundsätze des„Leipziger Handels", d. h. des neuzeitlichen Buchhandels im ausgehendenMeßzeitaltcr. Das Ganze ist beherrscht von der kräftig ausgesprochenenRichtung auf gcuossenschaftlichc und organisatorische Ccntralisation nnd ausDifferenzierung der Geschäftszweige. Das Centrum ist Leipzig ; hier ist derSitz der Buchhändlcrmcsse, und hier ist auch der Sitz der Börsenver-bindung, die, gipfelnd im Börscnvorstand, jeden deutschen Buchhäudlcrzu ihrem Mitglieds zählt, gleichviel, ob er die Messe besucht oder nicht.Die Börse garantiert die buchhändlcrische Vcrkchrsordnung. Das Kon-ditions- und Kommissionsgeschäft sind ihre Grundpfeiler, die Zahlungs-rcchnung ist ihre Basis. Der Buchhandel gliedert sich in reinen Verlagund (Verlags-) Sortiment.
Keine besondere Nolle spielt in Göschens Schrift der Nachdruck.Keine Erörterung enthält sie über die grundsätzlichen Gegensätze der