596 9. Kapitel: Der Horvath-Göschcnschc Reformversuch,
erklärte, daß die in der Deputation herrschende Strömung dem Sorti-menter seinen Wirkungskreis beschränken wolle und ihn zum Handlangerund Frohndiencr des Verlegers herabwürdige.
Niemand soll ohne Vermögen Bnchhändlerlchrling werden: — imTauschsortimcnt findet einer, der die nötigen Anlagen und Schulkcnnt-nisse besitzt, sein Fortkommen auch ohne das. Der Verleger erst, „dieserbequeme Handelsherr", erspart sich die Kosten des Vertriebs und wälztsie auf den Sortimcnter. Der Vcrlagshandcl, dieser „zu weit getriebeneverderbliche Handel ist die Hauptursache des Verfalls des wahren Buch-handels, was nur der Sortimentsbuchhandel ist" (Kayser): diegesperrten Worte unterstrichen, „Sortiments" doppelt unterstrichen. Wasman bei der Changc von „rechtlichen Collegcn" gewinnt, geht durchdiesen „ruinösen Handel" wieder verloren. Aufs ausgiebigste machteman seiner Empörung Luft über die Forderung restloser Zahlung aufden Glockcnschlag. Kayser verspricht dem Deputierten, der es fertigbringen würde, daß die Kunden auch nur jährlich bezahlten, im Namenseiner Kollegen eine Ehrensäulc vor der Börse. So ist es mit allcuihrcu wohlfeilen Ratschlägen; der Sortimcnter soll seinen durch die Ver-schiedenheit des Münzfußes entstehenden Verlust auf den Preis schlagen:das ist aber unmöglich, weil die Verleger ihre Preise in allen politischenund gelehrten Zeitungen bekannt machen. Der Vcrlagsbuchhandcl zer-stört, indem er den Sortimentshandel zertritt, Wissenschaften, Künsteund allgemeine Bildung und die Grundlage seiner eigenen Existenz (Franke)— mit dem Sortimentsbuchhandel geht der Buchhandel überhaupt zuGrunde (Hermann). Und so war man denn hier der Überzeugung, daßdie Leipziger Beratungen, von einer durch sie bewirkten Besserung zugeschwcigcn, nicht nur nutzlos, sondern verderblich sein würden (Franke).Was alles ist noch zu erwarten, ruft Hermann, wenn die Verleger schonjetzt „den Ton annehmen, in einer allgemeinen Handlungssache Gesetzemachen zu wollen"!
Dieser organisatorische Hauptgcgensatz macht sich, hier weniger, dortmehr hervortretend, auch in den Erörterungen der verschiedenen einzelnenReformpunktc geltend. ' Ebenso ein zweiter Hauptgegensatz, der zwischeneiner züuftlerischcn und freihändlcrischen Richtung. Dabei tritt bei deneinzelnen Fragen gewöhnlich eine dritte, mittlere Richtung auf, diffcrenzierdsich die Göschcnsche Anschauung leicht in zwei Richtungen, von denen