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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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598 9. Kapitel: Der Horvath-Göschensche Reformvcrsuch,

dircktorium ein Kapital zu deponieren oder einen sichern Bürgen zustellen (Bildnerische Buchhandlung). Im Unterschied zu dieser Goschcn-schen und übcrgöschenschcn Züchtung geht eine andere vom Verlags-sortiment aus und ist gegen den reinen Verlag gewandt. Je mehrSortimcnter, desto stärker der Bücherabsatz! ruft frisch, fromm, fröhlich,frei Kühn in Ruppin. Von Schaden sind lediglich die reinen Verleger,die dein Verlagssortimcnt seine urgewohntcn Kreise stören (Kayser inErfurt, Hermcmu in Frankfurt a. M.). Während auf der GegenseiteSchwetschke erklärte:Wegen des Geistes des Buchhandels kann keinesolche Vereinigung des Verlags- und Sortimentsbuchhandels Statt finden,daß jener diesen: den Debit allein überlassen könnte", verlangte manhier, daß die einmal schon bestehenden reinen Verleger auf den direktenVerkehr mit dem Publikum vollständig zu verzichten hätten; allen künftigneu auftretenden reinen Verlegern aber sollte das Verlagösortiment jedeGeschäftsverbindung verweigern (Kayser). Wie dort Kontroll- undSicherungsmaßregcln gegenüber den Sortimentern, so erwog man hiersolche gegenüber den Kunden: Anschlag der Namen schlcchtzahlcndcr undbesonders betrügerischer Kunden an der schwarzen Tafel in der Börse;Eintrag in ein Warnungsbuch, Veröffentlichung im Mcßkatalog (Mon-tag K Weiß iu Regensvurg, Hermann). Eine letzte Richtung istnicht ausdrücklich gegen den reinen Verlag gewandt, aber während maneinerseits, wie wir sahen, noch über Göschen hinausging, so lehnte manhier andrerseits schon die Göschcnsche Ansicht als zu weitgehend ab. DieBehandlung der Krcditverhältnissc muß durchaus dem Gutdünken des Ein-zelnen überlassen bleiben (Schöps in Zittau , Stiller in Rostock, Ham-merich in Altona, Kußler in Nürnberg). Reimer (Berlin ) protestiertentschieden gegen den Gedanken derBestrafung" eines Geschäftsmannes,der mit einem Anfänger Rechnung unterhalten wolle.

Die Über- und Mißproduktion sieht Kummer vou der Sortimcnter-seite her an und erblickt das einzige Schutzmittel in der allgemeinenund uneingeschränkten Anwendung des Konditionssystcms;durch dießcnWeg allein sind wir im Stande, unserm Untergange entgegen zu arbeiten."Andere denken an den Verlag und verlangen Vorschriften über dieMaximalhöhe der jährlichen Produktion des Verlegers (Hammcrich:höchstens 16 Novitäten pro Messe einschließlich Fortsetzungen und Jour-nalen, wobei höchstens 2 bis Z Romane und Schauspiele; Mallinckrodt