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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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614 9. Kapitel: Der Horvath-Göschcnsche Rcformversuch,

durchaus nicht gewillt, sich dabei zu beruhigen. Die neue Deputation er-hielt den Auftrag,die in dem von der bisherigen Deputation abgefaßtenGutachten unentschiedenen Punkte, z. Bcyspiel über den Rabatt, zurEntscheidung zu bringen". Und in welcher Richtung man diese Entschei-dung getroffen wünschte, geht aus dem gleichzeitigen Beschlüsse hervor:eineAnsprache an das Publikum" von Börsen wegen zu bewirken, inder das Publikum öffentlich über dieEigentümlichkeiten des Buch-handels" undnamentlich über das des Rabatgebcn" unterrichtet werdensollte. Der zweite Auftrag bestand darin, die in dem Gutachten be-stimmt ausgedrückten Punkte zu prüfen und das für gut Befundeneschon in der nächsten Sonntagsvcrsammlung vorzutragen; endlich drittenswurde die Deputation mit der Ausführung der besonderen Punkte be-traut, die die erste für sie vorgesehen hatte: der Wahl eines Ausschusseszur Bekämpfung des Nachdrucks, eines zweiten Ausschusses zur Aus-arbeitung eines Planes der Börscuorgcmisation, der Wahl der Börscu-vorstchcr und der Ausarbeitung eines Entwurfs von deren Obliegenheiten.

Noch bevor die neue und endgültige Redaktion des gemeinsamenReformgutachtcns vorlag, machte sich Heyer in Gießen an die Arbeit,dieAnsprache" niederzuschreiben, die bestimmt war, dein Widerstand derGelehrten und des Publikums, der sich schon jetzt infolge der Gerüchtevon einer geplanten Abschaffung des Kundcnrabatts bemerkbar zu machenbegann, und der sich bei dem Versuche der Durchführung eines solchenBeschlusses voraussichtlich offen zeigen würde, zu bcgcgucu. Die Koutant-handlungcn der Reichschen Zeit, sagt Heycr, gaben einen niedrigenBuchhändlcrrabatt; im Ansang 15"/<, vom Leipziger Ladenpreis. Alsaber die Zahl der Firmen immer mehr zunahm, der Absatz des Ein-zelnen immer mehr sank, gingen die meisten, um mehr abzusetzen, mitdem Rabatt wieder in die Höhe, erst auf 25, dann auf Prozent.Dieselbe Notwendigkeit, im Konkurrenzkämpfe mit den immer zahlreichemHandlungen, deren Zunahme gerade durch die Aussicht auf dcu gestiegenenBuchhändlcrrabatt befördert wurde, lebhafter als bisher um Absatz zuwerben, empfanden aber auch die Sortimcnter: was sie von den Verlegernmehr erhielten und bei der Vermehrung der Firmen, der allgemeinen Stei-gerung der Lebensbedürfnisse, der Abnahme des Wohlstands im Publikumund der Sitte, sich größere Bibliotheken anzulegen, unbedingt brauchten,gaben sie an das Publikum wieder weg. Der verhängnisvolle Gebranch