Heyers „Ansprache an das Publikum". 615
wurde befördert durch die zahlreichen Glücksritter ohne Gcschüftskenntnis,Fond und Erfahrung. Der buchhändlerischc Durchschnittsrabatt beträgt30 "/„. Leichtsinnige Handlungen geben 15, 20, ja 25 bis 33^"/^Kundcnrabatt; 10"/^ sind allgemein üblich. 22"/„ sind aber allein aufdie Handlungsuukosten zu rechnen. Und Publikum und Gelehrte habenvom deutschen Buchhandel oft eine ganz unrichtige Vorstellung. Siewerfen Buchhandel und Kaufmannshandel zusammen; und nichts kann indiesem Punkte falscher sein. Man kann nicht sagen: der Buchhändler, dermir Rabatt, viel Rabatt gibt, hat vielleicht besonders wohlfeil eingekauft;denn für jeden deutschen Buchhändler gilt derselbe Leipziger Ladenpreis.Man kann nicht sagen: vielleicht hat der Buchhändler seine Ware, wiesein Nachbar, der Kaufmann, sein Obst, zu besonders billigen Zeiteneingekauft; denn die Qualität der Ware „Buch" ändert sich nicht, istWinters und Sommers, in Hamburg und in Frankfurt die gleiche. Maukaun nicht sagen: er hat seine Ware vielleicht in größern Quantitätengenommen und deshalb billiger erhalten; denn der Verleger berechnet dasExemplar zu demselben Preise, gleichviel, ob er es einzeln oder mit ncun-uudvicrzig gleichen Exemplaren zugleich abgibt. Man kann nicht sagen:man muß handelu, abhandeln, gewiß schlägt der Buchhändler auf seinePreise ebenso auf, wie sein Nachbar, der Krämer; denn das kann wohljeder andere Kaufmann thun, aber nur der Buchhändler nicht: er hatöffentlich bekannte, bestimmte Preise seiner Waren, er hat überall undimmer einerlei Prozente zu genießen. Der Buchhändler kann auch nichtnebenbei auf andern Gebieten spekulieren; das Geschäft fordert seineganze Zeit und Kraft. „In Beziehung hierauf müssen wir demnachhiermit einmüthig und feyerlichst erklären:
1) daß wir alles Nabatgcben, namentlich von Büchern die noch nichtüber 10 Jahre alt sind, als einen das Geschäft herabwürdigenden,das kaufende Publicum nur täuschenden Gebrauch ansehen, indemnur erweislich durch ihn, die Sündfluth schlechter und vcrthcucrterBücher, über unser Vaterland gekommen ist.
2) daß wir um das Publicum hinreichend zu entschädigen, von jetztan, die Leipziger allgemeinen Ladenpreiße der Bücher, ohne Er-höhung und ohne Porto — noch andere Berechnungen, einstimmigdurch ganz Deutschland beibehalten wollen; dagegen aber auch
3) das Rabatgebcn unter allen und jeden Rubriken abstellen."