Trotzdem hätte im ersten Fall die Arbeit wenig, im zweitenviel Anteil an der Herstellung. Holland , das nicht einen BalkenHolz erzeuge und wo die Löhne hoch seien, zeichne sich imSchiffsbau aus. Tucker führt diese Thatsachen aufser auf dengröfseren Kapitalreichtum darauf zurück, dafs infolge gröfsererArbeitsteilung tüchtigere und gelerntere Arbeit erzogen würde.Einem leistungsfähigen Arbeiter 2 sh 6 d den Tag zu be-zahlen, könne billiger sein, als einen schlechten Arbeiter für6 d. zu beschäftigen. Die hohen Löhne des reicheren Landeshätten ferner die Wirkung, die tüchtigsten Arbeiter des wenigerLohn zahlenden Landes herüberzuziehen. So seien hohe Löhnekeineswegs ein Nachteil für die Wirtschaft eines Volkes,vielmehr ein Zeichen hoher Entwicklungsstufe 1 .
3) Die genannten Schriftsteller vertreten jedoch bis AdamSmith keineswegs die herrschende Meinung. Vielmehr riefensie einen heftigen Widerspruch hervor. Gegen Postlethwaitwendeten sich mehrere anonyme Schriften, so die „Essays onTrade and Commerce", London 1770 und „Considerations onTaxes", London 1765. Die gewöhnlichste Menschenkenntnislehre, dafs die englischen Arbeiter nur für den baren Lebens-unterhalt arbeiteten. Teure Preise allein zwängen sie zu an-haltender Arbeit. Bei billigen Preisen sei die Arbeitszeitkürzer und doch würde weniger fleifsig gearbeitet als bei teurenPreisen und längerer Arbeitszeit, weil die Arbeiter sich insolchen Zeiten bemühen müfsten, ihre Herrn zu befriedigen.Der französische Arbeiter leiste mehr, obwohl er weder Fleischesse noch Bier trinke, worauf der englische Arbeiter ein Ge-burtsrecht zu haben glaube. Letzterer sei der faulste Arbeiterder Welt. Um ihn zu bessern, sei die Hauptsache, die Lebens-mittelpreise durch gesetzliche Mafsregeln so zu erhöhen, dafs
1 Vergl. Josiah Tucker, Four tracts on political and commercialobjects. Glocester, third Edition 1774, besonders S. 30 u. 40.