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auf sie warten, bis sie sich entschlossen, an die Arbeit zu gehen.Wenn sie daran gingen, so konnten sie manchmal ganz ver-zweifelt darauf los arbeiten, Tag und Nacht, um ihre W irts-hausrechnung zu bezahlen und neues Geld zur Ausschweifungzu verdienen" 1 . Es erinnert diese Beschreibung an das, wasdie Blaubücher heute über die indischen Spinnereien belichten,grofsindustrielle Etablissements mit neuesten Maschinen. Trotzaller Disciplin ist hier nicht zu verhindern, dafs die Arbeiter-in ihrer Arbeit aussetzen, unregelmäfsig dazwischen essen undsich ausruhen. Man ist daher gezwungen, eine solche Anzahlvon Arbeitern zu halten, dafs die thätigen für die unthätigeneintreten können; man erlaubt unter dieser Voraussetzung, dafsdie Männer während der Arbeitszeit hinausgehen und rauchen,die Frauen ihre Kinder säugen, Arbeiter oft auf Wochen fort-bleiben, um in ihrer Heimat ihr Ifeld zu bestellen, u. s. w.Dafür giebt es keine längeren Pausen, während deren dieMaschine stillsteht, keine freien Sonntage oder nur einen imMonat, um die Maschinen zu reinigen, und die Arbeitszeitbeträgt 12 bis 14 Stunden 2 .
Auch in Lancashire , heute dem Lande der höchsten Arbeits-leistung, hat man damals ähnliches erlebt.
Wie wenig sich die Maschinen noch damals im Volks-bewufstsein eingelebt hatten, beweist die ablehnende, oft feind-liche Haltung der meisten Schriftsteller, wogegen Ure ent-schieden den fortgeschritteneren Standpunkt einnimmt. Sobeklagt ein bekannter Arzt aus Manchester damals das Losder Arbeiter: „Während die Maschine arbeitet, müssen die
x.
1 Ure, Cotton Manufacture II 448.
2 East India Factories 10. Febr. 1891 S. 23, 27, 45, und passim.Vgl. ferner Manchester Chamber of Commerce. Bombay and Lancas-hire 1888 S. 57.