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einen Weber gekommen zu sein. Auch war die Produktions-steigerung durch den Kraftstuhl keine allzu bedeutende; imJahre 1823 lieferten zwei Kraftstühle wöchentlich 7, im Jahre1826 12 Stück solchen Shirtings, von dem ein Handweber zweiStück in gleicher Zeit hergestellt hätte 1 . Übrigens wurde derKraftstuhl damals nur für den kleineren Teil aller Gewebeangewandt, nur für gewöhnliche und ungemusterte Waren.Erst 1822 wurde an Roberts ein Patent erteilt für einen Kraft-stuhl mit sechs Schäften, um köperähnliche Gewebe zu ver-fertigen und in dem ganzen folgenden Jahrzehnt experimen-tierte man noch an Vorrichtungen zur Hebung und Senkungmehrerer Schäfte zwecks Herstellung der allereinfachsten Mustermit dem Kraftstuhl 2 . Dafs man hier langsamer fortschritt, laggewifs nicht an der gröfseren Schwierigkeit der zu meisterndentechnischen Probleme, sondern daran, dafs auf diesem Gebieteder Druck des Weltmarktes und der Zwang zur Erfindungam spätesten eintrat.
In den Blaubüchern finden wir dementsprechend fast alleFabrikanten der Ansicht, dafs der Handstuhl nie durch denKraftstuhl ersetzt werden könne; vielmehr müsse mit Aus-dehnung des englischen Handels die Zahl der Piausweberdauernd wachsen, wie dies wirklich bis dahin der Fall war 8— und doch hatte der Franzose Jacquard bereits 1812 dienach ihm benannte Vorrichtung erfunden, welche mit demKraftstuhl verbunden auch die künstlichsten Muster auf mecha-nischem Wege herzustellen ermöglichen sollte. Damals erfor-derte die Herstellung derartiger Waren eine grofse Menge vonArbeitskräften, den sog. Leser, welcher nach der Patrone d. h.
1 Baines 239 u. 240.
2 Ure, Cottou Manufacture II 306 ff.
3 Z. B. Committee on Manufactures 11992, 1212 „handloomweavers
increase and must inerease"; ferner 1198, 9434.