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industrie seinem Abnehmer gegenüber in einer Art Monopol-stellung befand, war Ausbildung einer hoch entwickeltenOrganisation des Absatzes nicht nötig. Sie trat in dem Mafseein, als jene Vorteile verloren gingen und es lediglich nur nochdie wirtschaftliche Überlegenheit war, welche der englischenIndustrie ihren Absatz sicherte.
Mit dem Betriebe jeder Industrie vom Einkauf des Roh-stoffes bis zum Verkauf des fertigen Fabrikates sind eine grofseMenge von Gefahren der verschiedensten Art verknüpft — Ge-fahren, welche sich jedoch bei fachmäfsiger Kenntnis der ein-schlägigen Verhältnisse aufserordentlich mindern lassen. DaherArbeitsteilung, womöglich in der Weise, dafs für jedes Risiko,welches Beherrschung einer in sich geschlossenen Thatsachen -gruppe verlangt, ein besonderes Organ geschaffen wird.
Dieses war nun bereits in den dreifsiger Jahren in höchstemMafse der Fall auf dem Baum wollmarkt. Auf der einen Seitestand hier der in Liverpool ansässige Import-Kaufmann.Seine Aufgabe war Beherrschung des amerikanischen Marktes— bei den schwierigen Verkehrs- und Kommunikationsver-hältnissen der Zeit ein Risiko von solcher Gröfse, dafs erdie Baumwolle zuerst sogar nicht auf eigne Rechnung ein-führte, sondern kommissionsweise für Rechnung des Ameri-kaners gegen Barvorschufs. Aber schon in der ersten Hälftedes Jahrhunderts kam an Stelle des importierenden Kommis-sionärs der eigentliche Importeur auf, welcher die Baumwolleauf eigne Gefahr einführte. Ihm gegenüber stand der ein-heimische Händler, der die Baumwolle dem Spinner gewöhnlichgegen längeren Kredit verkaufte, zumeist in Manchester an-sässig. Seine Aufgabe war Beherrschung der einschlägigenindustriellen Verhältnisse, z. B. der zu erwartenden Nachfrage,der Zahlungsfähigkeit der Spinner u. s. w.
Je mehr die einschlägigen Verhältnisse sich komplizierten,