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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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des Rohstoffes nach den Mittelpunkten der Produktion.Während die älteren Spinnereien fast stets an Kanälen liegenund die Baumwolle aus dem Bote unmittelbar in den Misch-saal gehoben wird, sind die neueren Spinnereien mehr auf denEisenbahnverkehr angewiesen, oft durch Anschlufsgeleise mitden Hauptlinien verbunden.

Eine weitere Erleichterung des Verkehrs wird die Er-höhung des im Bau befindlichen Seekanals bedeuten; schonheute sieht man in der Nähe Manchesters jene gewaltigenDocks ausgehöhlt, welche nur noch der Verbindung mit derSee bedürfen, um hier mitten im Sitze der Industrie deren Roh-stoff unmittelbar aus dem Erzeugungslande aufzunehmen. Einezehnjährige Agitation in Wort und Schrift getragen ebensovon Industriellen wie Arbeitern ist diesem Riesenwerke voraus-gegangen. Es wurde am 30. Juli 1885 mit den Enteignungs-rechten ausgestattet, wobei die Genehmigung des Parlamentsdie Festlegung eines Maximaltarifes zur Voraussetzung hatte.Danach wird der Transport von Liverpool nach Oldham, bishernicht weniger kostspielig als der von Bombay nach Liverpool,um mindestens Va verbilligt werden 1 .

Da der Spinner den Rohstoff meist gegen bar oder kurzesZiel kauft 2 , so ist sein Interesse, in kürzester Zeit das Ge-spinst zu verkaufen. Es wird daher die Zeit, während welcherdie Baumwolle in der Fabrik ist, auf eine immer kürzere Spanne,selbst wenige Tage, zurückgedrängt. Ebenso ist möglichstwenig Baumwolle auf Lager zu halten. Der englische Spinnergeht gewöhnlich von acht zu acht Tagen nach Liverpool, um

1 Vergl. J. C. Fielden's Artikel aus der Zeit der Agitation imManchester Examiner; ferner Coop. Wholesale Annual 1889, S. 394 ff.

2 Protokolle der cit. deutschen Enquete S. 90. Der deutsche Käufer hat danach in Liverpool 10 Tage dato Factura zu zahlen, inHolland und Bremen drei Monate.