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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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ein Kilo Garn ein höherer Betrag für Arbeit (Spinnlohn) inden Vogesen bezahlt als in Mülhausen .

Beispiel 3 behandelt 20 s. Twist, die Nummer, welche inDeutschland wohl am meisten gesponnen wird. Es zeigt sichhier eine ziemliche Gleichheit der Lohnverhältnisse in Bayern ,Württemberg und Sachsen. Die relativ hohen Kosten derArbeit in der württembergischen Spinnerei erklären sich durcheine gröfsere Zahl der angewandten Arbeiter (fünf auf 1200Spindeln). Der Unterschied der Spinnlölme zwischen dersächsischen und bayrischen Spinnerei ist dagegen sehr geringund wird aufgewogen durch die bedeutend höheren Kostender Aufsicht in Sachsen. Vergleichen wir hiermit das Bei-spiel in Oldham, so ergiebt sich trotz weit kürzerer Arbeits-zeit, 55 statt 64 Stunden, ein wenig geringeres Wochener-zeugnis als in Sachsen, ein grösseres als in Württemberg undBayern . Trotz weit höherer Wochen Verdienste der englischenSpinner (45 M. statt 22 M.), ist der Unterschied in denKosten der Arbeit (1,8 Pf. in Oldham gegen 1,7 Pf. in Sachsen)äusserst gering. Dieser geringfügige Vorteil zu GunstenSachsens aber wird in sein Gegenteil verwandelt, wenn mandie hohen Aufsichtskosten dagegen berücksichtigt. Dieselbensind um so schwerwiegender, als in Oldham überhauptentsprechende Aufsichtskosten nicht in Ansatz zu bringensind, da dem dort vorhandenen einen Aufseher in deutschenSpinnereien noch ein technischer Beamter entspricht.

Beispiel 4 zeigt dasselbe für 30 s. twist in einem Ver-gleiche zwischen Süddeutschland und Bolton. In der letzterenStadt kommen weniger Arbeiter auf eine gröfsere Anzahlvon Spindeln, wir finden trotzdem gröfsere Schnelligkeit derMaschinerie und durch beides die weit höheren Wochenver-dienste der Arbeiter und die weit kürzere Arbeitszeit mehrals ausgeglichen. Schon abgesehen von der Aufsicht sind in