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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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das Spulen wird hier nicht von Kindern besorgt, sondern vonden ältesten der Alten. Die Enkel arbeiten in der Fabrik, wosie dreifache Löhne verdienen dies die Lösung der Haus-weberfrage.

Vergleicht man mit dem gegebenen Bilde die haus-industriellen Zustände Deutschlands , so steht dieses auch hierinetwa auf der wirtschaftlichen Stufe Englands der dreifsigerJahre, mitten in den Todeskämpfen der Hausindustrie, derenletaler Charakter von dem denkenden Beobachter erkannt ist.Freilich fehlen auch nicht Stimmen, wie die jener Fabrikantenzu Bolton, welche meinten, die heimische Hausweberei könneerst mit dem englischen Handel überhaupt aufhören 1 . So liegtmir z. B. eine Geschäftsannonce vor, in welcher die Hand-weberei als leistungsfähig, ja der Kraftweberei in vielen Artikelnals überlegen erklärt wird. Freilich pafst dazu schlecht, wenndann auf derselben Seite das Mitleid des Publikums ange-rufen und mit der Armut der Hausweber Reklame gemachtwird.

Ein besonderes Verdienst gebührt dem gegenüber E. Engel 2 ,welcher bereits 1855 darauf hinwies, dafs es nur eine Abhülfefür das Elend der Hausindustriellen gebe, die Ersetzung derHausindustrie durch den Grofsbetrieb. Schon damals sprachEngel mit grofsem Weitblick von einem gewissenkonserva-tiven Beruf der Grofsindustrie". Koch heute wird dieseÄufserung den meisten paradox erscheinen. Wo jedoch derÜbergang zum Grofsbetriebe möglich gewesen ist, ist auch inDeutschland die Hausweberei ohne allzu grofse Leiden beseitigtworden. Wo sie noch besteht, sind dort die Verhältnisse amgünstigsten, wo sie wenigstens zu einer Specialität griff. Am

1 Vgl. Bericht der Enquetekommission S. 76.

2 E. Engel, Sächsisches Obererzgebirge. Dresden 1855, insbe-sondere S. 10, 14, 15.