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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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seitens des Arbeitgebers entgegengebracht wird wodurchz. B. der Schriftführer der Spinnereibesitzer zu Oldham, HerrAndrew, weithin die Achtung in Arbeiterkreisen gewannso vertragen auch die immer künstlicheren Maschinen eineunwillige und verständnislose Behandlung nicht. SelbstWunderwerke des menschlichen Geistes, liefern sie dort dasbeste Erzeugnis, wo der an ihnen beschäftigte Arbeiter selbstzu der Höhe geistiger Arbeit aufsteigt.

Ein drittes kommt in Betracht. Die Maschinen werdenimmer kostspieliger; das Produkt pro Arbeiter wird ungeheuergesteigert. Damit wächst die Verantwortlichkeit des einzelnenArbeiters. Man vergleiche etwa jenen Puddler, von dessenTüchtigkeit lediglich das Ergebnis seines Puddelofens abhängt,mit jenem Mann, der für den gesamten Inhalt eines Siemens-Converters verantwortlich ist. Aber auch für das uns be-schäftigende Gebiet gilt gleiches; wieviel gröfser ist doch dieVerantwortlichkeit jenes Arbeiters, der 2 V 2 Tausend Selfaktor-spindeln beaufsichtigt, gegenüber dem alten Handmulespinner,dessen Maschine nur wenige Hundert Spindeln hatte und derin mühsamer Arbeit selbst pro Spindel weit weniger als seinNachfolger lieferte.

Physische Behendigkeit, geistiges Verständnis und dieTragung von Verantwortlichkeit aber sind von jenem schlechtgenährten Fabrikproletariat, wie es die Grofsindustrie bei ihremAuftreten schuf, nicht zu erwarten. Hierzu bedarf es einerhöheren Lebenshaltung des Arbeiters und der Rückführungder Arbeitszeit auf angemessene Grenzen. Wodurch wird beideserreicht, ohne dafs dadurch wirtschaftliche Schädigung eintritt,so vielmehr, dafs dem wirtschaftlichen Fortschritt gedient wird?

Wir sahen, dafs das Ergebnis des technischen Fortschrittseine ungeheure Steigerung der Produktion ist. Damit wirdeine entsprechende Herabsetzung der Stücklöhne ermöglicht.