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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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lische Arbeiter wird für die Maschinen geboren und erzogen;mit der festländischen Handarbeit könnte er nicht konkurrieren;dagegen ist er der billigste Arbeiter der Welt, wo immer erseine fortgeschrittene Maschinerie beaufsichtigt.

c) Auch die socialen Verhältnisse gewähren England einengewissen Vorsprung im Wettkampfe der Nationen. Zweierleikommt in Betracht. Mufste einst Ure beklagen, dafs nirgendsin der Welt das Verhältnis zwischen Arbeit und Unternehmerschlechter sei als in England , so ist es heute friedlicher als inden hauptsächlichst konkurrierenden Industrieländern. Währendin Deutschland gewifs noch nicht der Wendepunkt jener Ent-wicklung der Gegensätze erreicht ist man denke an die heuteerst in die Thäler der decentralisierten Industrie eindringendeArbeiterpresse ist in England die persönliche Gehässigkeitder Beziehungen geschwunden. Arbeiter und Unternehmerstehen sich als Geschäftsleute gegenüber, wenigstens in dernordenglischen Grofsindustrie.

Insbesondere aber ist in der Baumwollindustrie jenergrundsätzliche Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit ge-schwunden. Der Arbeiter weifs, dafs sein erstes Interesse mitdem des Arbeitgebers gemeinsam ist: Erhaltung der Märkteseiner Industrie. Nur durch ihren Verlust könnte er seinehohe Lebenshaltung verlieren. Nicht mit Neid blickt er daherauf den Reichtum seines Arbeitgebers, praktisch genug:einArbeitgeber, dem es gut geht, kann gute Löhne zahlen 111 . DerHauptbeleg für das Gefühl dieser Interessengemeinschaft istdie Stellung der Gewerkvereine Lancashires in der Acht-stundenfrage. Grundsätzlich wärmste Anhänger des Acht-stundentages glauben sie sich selber durch augenblickliche Ein-führung desselben zu schaden, indem sie fürchten, einen Teil

1 Vergl. für nähere Angaben mein Buch Zum socialen Frieden

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