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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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der Baumwollindustrie nach dem Auslande zu treiben. Dahersetzten sie auf dem letzten GeWerkvereinskongresse einen Be-schlufs durch, wonach die verlangte Einführung des Achtstunden-tages von einzelnen Gewerben abgelehnt werden könne. DieBewegung für technischen Unterricht, für die ErschliefsungIndiens und Afrikas 1 , die bimetallistische Bewegung 2 u. s. w. sehenheute Arbeiter und Arbeitgeber als politische Bundesgenossen.

Noch in andrer Beziehung kommen die socialen Verhält-nisse in Betracht. Die Grofsindustrie als Erzeugnis des Welt-marktes ist Konjunkturen unterworfen. Sie fallen allein denUnternehmern zur Last, solange die Löhne die Lebensnot-durft nicht überschreiten; dagegen werden sie den Löhnenteilweise zur Last gelegt, sobald infolge technisch fort-geschrittener Verhältnisse trotz niedrer Stücklöhne die Wochen-verdienste der Arbeiter hoch sind. Lohnherabsetzungen infolgeschlechten Geschäftsgangs nehmen die englischen Arbeiterebenso häufig auf sich, wie sie es als gutes Hecht bean-spruchen, an den erhöhten Gewinnen der Industrie durch er-höhte Löhne teilzunehmen.

In der deutschen Enquete bezeichnen zahlreiche Stimmendeutscher Arbeitgeber diese Beweglichkeit der Löhne alsgrofsen Vorteil Englands. Sie beklagen, dafs sie nicht diegleiche Möglichkeit hätten, weil eine Minderung der Löhneschon im Interesse auf die Arbeitsfähigkeit nicht möglich sei 3 .Aul'serdem aber ist Voraussetzung jener Anpassung der Löhnean die Konjunkturen auch eine Organisation beider Teile in

1 Vergl. See. Rep. of the Commission on Depression of Trade. Part I.5103. Ferner über die Bedeutung Afrikas, dessen Konsum ungeheuersteigerungsfällig ist und rapid wächst, Ellison, Cotton Trade. S. 155.

2 Vergl. das bimetallistische Manifest der vereinigten Textilarbeiter(125 000 Arbeiter) vom 30. November 1891.

3 Bericht der Enquetekommission S. 168. Protokolle S. 80, 296,299, 344, 375.