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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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pflege, in vielen Fällen durch Prostitution 1 , stets durch Elendund Not gedeckt wird. Ein hervorragendes Verdienst um dieFeststellung der Lebensverhältnisse der deutschen Arbeiterist den im Auftrage des Grofsherzoglich badischen Ministeriumsfles Innern herausgegebenen Untersuchungen von Wörishofferbeizumessen, dem rühmlich bekannten Vorstande der badischen{ Fabrikinspektion. Selbst für die gelernten Arbeiter kräftiger

Grofsindustrien (z. B. der chemischen Industrie) erscheintdanach als das günstigste Ergebnis die immerhin knappeErreichung des physiologischen Lebensminimums 2 . Trotzdementhalten diese Mitteilungen in Verbindung mit den überandre deutsche Arbeiterklassen, insbesondere die deutschenHausindustriellen, bekannten den Beleg, dafs kräftige Grofs-industrien immerhin die relativ höchste Lebenslage desArbeiters ermöglichen. Während für die Menge der in dendeutschen Grofsindustrien beschäftigten Arbeiter die Ernährung vorwiegend auf Kartoffeln und Roggenbrot beruhend, den physiologischen Ansprüchen wenigstens knapp entsprechen

mag, weist die der Hausindustriellen dagegen eine offenbareUnterernährung auf. (Vergl. oben S. 42.) Aus einem derTextilmittelpunkte Norddeutschlands teile ich beispielsweisefolgendes Arbeiterbudget mit, welches mir nach Vergleichenmit andern eher über dem Durschschnitt zu stehen scheint.Die Familie besteht aus Mann (49 Jahre), Frau (53 Jahre)und 4 Kindern (17 bis 5 Jahre). Der Mann wie die beidenältesten Kinder sind in der mechanischen Weberei beschäftigt;der Mann verdient 15 M., die beiden Kinder geben zusammen7 M. für Kost und Logis wöchentlich an die Eltern ab.

1 Vergl. hierfür Wörishoffer, Lage der Fabrikarbeiter zu Mann-heim. Karlsruhe 1891. S. 228 u. 229.

2 Wörishoffer a. a. 0. S. 242.